SPIDERGAWD – IV

Spidergawd IV

Gold Vinyl (ltd. 1,000 copies) / Black Vinyl (ltd.)
Crispin Clover Records

Einen Tag vor dem Spidergawd Konzert im FZW morgen, haue ich heute noch einmal einen Review ihrer neuen Platte raus, die am 24. Februar erschienen ist. Die Gruppe bleibt ihrer Tradition treu, ihre Scheiben einfach durch zu nummerieren und nach III folgt nach Adam Riese jetzt IV. Wieder wurde das Cover von der surrealistischen Künstlerin Emile Morel gestaltet und die limitierte Erstauflage des Vinyls wird als goldenes 180 gr Vinyl in einer mit dem Bandlogo bedruckten PVC-Hülle geliefert. Schick gemacht, wie immer.
Was ist seit der III passiert? Motorpsychos Bent Sæther hat die Gruppe verlassen und wurde durch Hallvard Gaardløs ersetzt. Im Gegenzug dazu verließ Schlagzeuger Kenneth Kapstad Motorpsycho und konzentriert sich nun voll auf das Spinnengott Projekt.
Die Band übertrifft sich in meinen Augen mit diesem Werk wieder einmal selbst. Es geht direkt in einem Mordstempo los. Zwischendurch wird in Liedern wie Ballad Of A Millionaire (Song For Elina) das Tempo mal etwas gedrosselt, bevor es auf der B-Seite wieder nach vorne prescht. Es rockt alles wie Sau, treibt die Füße zum unkontrollierten Wippen an und lässt den Zuhörer wieder bei The Inevitable etwas verschnaufen, mit dem Kopf nicken und in spaceige Weiten abdriften. Mein absoluter Favorit und Anspieltip: Heaven Comes Tomorrow! Yeah!
Die Produktion ist sehr voluminös, wunderbar abgemischt und liefert den typischen Spidergawd Sound. Die Platte hat sich mir auch beim x-ten Male Hören nicht ganz erschlossen und damit haben sie sich die zehn Punkte voll verdient.
Wer also eine sehr gute Rockband mit Saxophon mal live erleben will, die euch mal kräftig in den Arsch tritt, sollte sie auf einem ihrer Konzerte nicht verpassen!

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KLONE – Unplugged

Klone - unplugged

Clear Red Vinyl (ltd. 250 copies) / CD – Digipack / Black Vinyl (ltd. 350 copies)
Pelagic Records

Klone stammen aus Poitiers in der Nähe von Nantes und La Rochelle im Westen Frankreichs und haben bereits diverse Platten veröffentlicht. Mit ihrem siebten Album werden sie noch ruhiger als es der Vorgänger schon war und sie haben diesmal komplett ihre Instrumente vom elektronischen Strom abgestöpselt.
Klone sind für die neue Platte extra in das unglaublich atmosphärische Théâtre de la Coupe d’Or in Rochefort (auf dem Cover zu sehen) gefahren, um dort einige Songs live einzuspielen. Zwei Lieder sind Studioaufnahmen. Sie wurden dabei von der lokal ansässigen Musikerin Armelle Dousset unterstützt, die sowohl Akkordeon, Percussion als auch Klavierparts beitrug.
Die meisten Songs der Scheibe stammen von der letzten Platte Here Comes The Sun, jedoch wurden auch Lieder wie Rocket Smoke von der Dreamer’s Hideaway (2012) neu eingespielt. Die B-Seite beginnt mit einem sehr aktuellen Cover von Depeche Modes People Are People in einer wunderbar verträumten Version.
Die einzelnen Stücke verströmen allesamt ihren eigenen akustischen und emotionalen Flair, der zwar die originalen Versionen wiedererkennen, aber eine vollständig neue Landschaft in den Köpfen entstehen lässt.
Lieder wie Fog mit einem vitalen Akkordeon erinnern irgendwie an französische Chansons und in der geistigen Landschaft tauchen Menschen mit Baskenmützen auf, die ihre Baguette nach Hause tragen und für einen Schwatz und Kaffee in einem Straßencafé anhalten.
Eine rundum gelungene Platte und ich freue mich bereits jetzt wie ein kleiner Springteufel auf das Konzert in Tilburg.

9-sterne

HELMET – Dead To The World

Helmet - Dead To The World

Clear Vinyl – Gatefold / CD – Digipack / Black Vinyl
Ear Music

Helmet ist sicher einer der größten Einflüsse in meinem musikalischen Kosmos. Ich liebe ihre alten Platten, bin aber von dem, was sie so in letzter Zeit fabriziert haben, weniger begeistert. Das liegt vielleicht auch daran, daß Mastermind Page Hamilton nach der Auflösung 1998 die Gruppe im Jahre 2004 wieder neu gründete ohne die früheren Mitglieder zu fragen oder einzubeziehen. Danach änderte sich nochmals das Line-Up und mit dem letzten Werk Seeing Eye Dog war ich weniger zufrieden.
Nun kündigte sich das neue Album Dead To The World an und wurde schon am 28. Oktober 2016 über Ear Music veröffentlicht. Bei Ear Music sind auch Bands wie Deep Purple oder Europe untergebracht.
Das Cover der Platte mit dem einsamen Typen, der durch die Wüste stapft und seine Fußabdrücke hinterlässt, ist wohl eines der besten Cover, die ich kenne und passt optimal zu Helmet. Merkwürdigerweise sind auf der Rückseite zwei Typen zu sehen, wobei die Fußabdrücke entweder nicht vorhanden sind oder urplötzlich im Sand beginnen. Eine Fotomontage anscheinend oder die Männer können fliegen.
Der Sound ist wie der Vorgänger Seeing Eye Dog eher ruhig, hat aber natürlich den typischen Helmet (Hamilton) Drive, Melodien-Bögen und die kreischenden Solis. Mir fehlt jedoch der Biss und die knackigen Peitschenhiebe der frühen Jahre und irgendwie gleitet die Platte nur so an mir vorbei ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Der Opener Life Or Death ließ mit großer Freude aufhorchen, aber danach flauen die Songs irgendwie ab.
Ich muss jedoch zugeben, daß die Lieder live auf der Bühne jedoch ganz anders klingen als auf dem klaren Vinyl. Ich hatte Helmet am 07. Februar in Köln gesehen (Bericht erscheint in der OX im April und hier bei Veröffentlichung des Heftes) und da klangen die Lieder besser. Man merkt, Page Hamilton ist ein Perfektionist, aber ich liebe diese Band doch für ihre Vergangenheit.

6-sterne