Verloren mit Monstern

Konzert vom 28. Mai 2017 im Jungle in Köln
PG.Lost, The Chasing Monster

Eine neue Konzerthalle in Köln. Den Jungle kannte ich noch nicht, obwohl er genau neben dem weltbekannten Underground lag. Ich wollte heute meine Reihe an Konzerten mit Bands vom Pelagic Records Label fortsetzen und es standen heute PG.Lost auf dem Programm. Die Halle machte auf den ersten Eindruck kein gutes Bild, denn sie lag zwischen einem Getränkemarkt und einem Vespa Handel hinter einem dicken Stahlzaun mit Schiebetor. Ich war pünktlich wie bei Facebook angekündigt gegen 19 Uhr da, aber der Laden sollte erst um 19:30 seine Tore öffnen und die Bands erst um 20 Uhr beginnen zu spielen. So gab es zumindest ein Zettel am Eingang bekannt. Ach, wie herrlich Deutsch ich doch manchmal sein kann. Pünktlich und voller Erwartung, dass Andere sich auch an die öffentlich bekannt gegebenen Zeiten halten. 😉
Flaschen auf das Gelände mitzubringen war leider auch verboten, da rief direkt der bullige Security Typ vom Eingang herüber, keine Pullen mit zu nehmen und diese bitteschön draussen zu trinken. Noch deutscher als ich es jemals sein werde.

Also wartete ich bis zum Einlass, ging dann erstmal dort zum Klo im Keller und hatte die ganze Zweit das Gefühl, in einer Diskothek zu sein. Alles war hübsch besprüht mit passenden Motiven zum Thema Dschungel. Aber alles auch irgendwie sehr inszeniert und künstlich.

Die Vorband war mir ebenso unbekannt wie der Club selbst. The Chasing Monster kommen aus Viterbo in Italien. Eine tolle Neuentdeckung, wie sich herausstellen sollte. Eine große Bereicherung der Band war vor allem Frederica Sciamanna (auch Mitglied der Band Shiver) an der Gitarre und da ich Bands mit Frauen besonders liebe, hatten sie sofort einige Pluspunkte bei mir gut. Ihr Sound war durchsetzt mit Spoken Word Passagen und rein instrumentaler Musik. Sehr atmosphärisch und energetisch. Fredericas ständig wehende blau-schwarze Haare und Aktionen stachen dabei besonders heraus. Hätte die Band ihre neue Platte Tales auf Vinyl heraus gebracht, so hätte ich sie mir sogar sofort und bedenkenlos besorgt.

Nach einer kurzen Wartepause kamen endlich PG.Lost auf die Bühne. Ein Quartett bestehend aus zwei Gitarristen, einem Bass und Schlagzeug aus Norrköping in Schweden. Ich habe selbst zwei ihrer letzten Scheiben in meinem Plattenschrank und mochte ihre energetische und zum Teil der ausufernden und wuchtigen instrumentalen Stücke sehr. Im letzten Jahr veröffentlichten sie ihr letztes Album Versus bei Pelagic Records.

Auch wenn nicht viele Zuschauer gekommen waren (ich schätze sie auf 50-70 Leute), war es doch eine tolle Stimmung. Viele Frauen und Pärchen waren anwesend und es war ungemein warm in dem Club. Gitarrist Gustav Almberg erzählte von einem Konzert in Finnland, bei dem es in dem Club eine Sauna gab. Hier in Köln wäre das nicht mehr nötig, denn die Sauna gäbe es hier direkt auf der Bühne. Was auch nicht ganz verkehrt war, denn ich schwitzte wie verrückt und musste öfter den Schweiss von der Stirn wischen.

Leider war das Konzert auch nach atemberaubenden und gefühlvollen Minuten gegen 23 Uhr zu Ende und ich kaufte mir noch einen schicken neuen Einkaufsbeutel von PG.Lost. Ich hatte ja noch einen kleinen Weg nach Hause und fuhr dann auch fast sofort los, um schließlich von der Musik beseelt in mein Bett zu plumpsen.

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Wellen im Labyrint

Konzert vom 14. Mai 2017 im Djäzz in Duisburg
Labirinto, Magma Waves

Wenn ich schon im Moment nicht nach Brasilien komme, so freut es mich umso mehr, wenn jemand aus Brasilien hierher kommt. Zudem noch in Form dieser guten instrumentalen Band Labirinto.

Das Djäzz in Duisburg liegt genau in der Innenstadt, also beschloss ich, meinen Wagen in einem Parkhaus abzustellen, um ein eventuelles Chaos bei der Parkplatzsuche zu vermeiden.

Gesagt, getan stellte ich die Kiste erfolgreich ab und lief natürlich zuerst einmal in die falsche Richtung, also weg vom Djäzz. Ich nutzte jetzt zum ersten Mal die Navigation von Google Maps, die mir den Weg zu dem Club mit einer angenehmen Frauenstimme erklärte. Ich kam sogar an.

Es war noch nicht viel los in dem Keller-Club und da es warm war, bestellte ich mir ein Bier und trank es draussen vor der Tür genüsslich aus, holte mir direkt noch ein zweites bei der netten Bardame und stand weiter draussen herum. Mit mir warteten noch weitere Leute vor der Tür, wobei ein Teil sicher zu dem Gefolge der beiden Bands gehörte. Insgesamt waren nicht viele Zuschauer anwesend und es sollten auch beim Konzert nachher nicht viel mehr werden.

Es dauerte gefühlte zwei Stunden, bis dann die erste Band Magma Waves aus Duisburg und meiner eigenen Heimatstadt Essen anfingen zu spielen, die sich 2013 gegründet haben und seit Neuestem sogar bei Narshardaa Records unter Vertrag sind und dort ihr Debut Album heraus bringen werden.

Sie spielten einen sehr angenehmen, sphärischen instrumentalen Rock, der manchmal in vulkanischen Wellen über das Publikum herunter krachte und dann wieder in ganz ruhige und sanft blubbernde Lavateiche überging.

Labrinto hatten gerade ihr neues und drittes Album Gehenna bei Pelagic Records heraus gebracht und waren nun auf einer ausgedehnten Europa Tour unterwegs.

Die Band selbst besteht aus sechs Musikern, die sich 2005 in São Paulo zusammen gefunden haben, um einen düsteren, rein instrumentalen Sound zu produzieren, der mit zusätzlichen Trommeln noch wuchtiger klingt. Im Hintergrund der Bühne liefen Videos ab, die zum Teil abstrakt waren, manchmal Feuer oder wunderschöne Landschaften zeigten und sogar ein paar Aufnahmen einer Protestbewegung (vermutlich in Brasilien). Leider lieferte die Band keine Angaben zu genau diesen Protestvideos, was ich gerne gehabt hätte.

Die Bardame an den Tresen tanzte in sehr agilen Bewegungen mit einem stetigen Grinsen auf den Lippen und das Publikum stand gebannt vor der Klangwand der Band. Es waren auffallend viele Pärchen anwesend und ich glaube auch eines hatte seine Teenager Tochter mit dabei.

Auch wenn die Zuschauerzahl nicht weiter wuchs und leider für diese Band viel zu wenige Leute anwesend waren, endete das Konzert leider auch viel zu früh. Ich hätte gerne noch weiter den Klängen der Gruppe gelauscht. Ich besorgte mir aber schließlich noch die neue Platte der Gruppe und verabschiedete mich, da ich am nächsten Tag nach Berlin fahren wollte.

Den Weg zurück zum Auto fand ich auch noch ganz gut, aber den Eingang in das Parkhaus suchte ich vergeblich. Merkwürdigerweise war die Tür,über die ich anfänglich das Parkhaus verlassen hatte, verschlossen und es sah alles seltsamerweise verlassen und leer aus. Ich bekam es schon mit der Angst zu tun, morgen früh erst einmal nach Duisburg fahren zu müssen, um meinen Wagen aus dem Haus zu befreien. Ich ging aber schließlich die Einfahrt für Autos hinunter in das dunkle Parkhaus, suchte mit meiner Handy Taschenlampe meinen Wagen und als ich zu dem Bezahlautomat kam, sprang das Licht in der gesamten Anlage an. Ich konnte also ganz normal wieder heraus fahren und kam sogar mit meinem Auto zu Hause an.

Ferngespräche mit Feueralarm

Konzert vom 09. Dezember 2016 im FZW in Dortmund.
Long Distance Calling

Wenn ich Konzerte besuchen möchte, ist das immer ein kleiner Akt. Ich muss mindestens einen Monat vorher auf meiner Arbeit Bescheid geben, daß ich an dem Tag Frühdienst haben möchte. Mein Spätdienst endet um 20:30 Uhr und da platze ich dann meistens erst mitten im Konzert hinein und bekomme nur die Hälfte mit. Das ist dann nicht besonders zufriedenstellend. Ich brauche einen neuen Job.

Für heute hatte ich mir Long Distance Calling vorgenommen. Die Band höre ich seit der ersten Platte, aber hatte sie das letzte Mal vor einigen Jahren live gesehen. Also war es mal wieder an der Zeit, sie zu besuchen. Die Gruppe war gerade auf einer Tour, die sie „An Evening with Long Distance Calling“ nannten und auf der sie ihre Instrumental Stücke spielten. Parallel dazu fanden auch einige Shows als Vorband von Amorphis statt. Mit der letzteren Band kann ich leider nichts anfangen und einen wunderbare Abend mit der sympatische Truppe aus Münster wollte ich nicht missen.

Ihre letzte Scheibe „Trips“ gefiel mir sehr gut, auch wenn sie sich etwas von dem instrumentalen Rock ihrer Anfangstage entfernt hatten und etwas in den Prog-Rock, Depri-Rock Gefilden mit Gesang herum schipperten. Sie hatten jedoch ihren Drive und die atmosphärischen Welten, die sie erschaffen, behalten und laden mich stets zum Träumen ein.

Also habe ich mich mit meinem Kleinwagen auf dem Weg nach Dortmund gemacht und kam diesmal viel zu früh um 19 Uhr an, als die Tore noch nicht einmal geöffnet waren. Aso wartete ich in der nicht allzu schlimmen Kälte des Winters nur im Kapuzenpulli, weil ich meine Jacke im Auto verstaut hatte, bis sich nach deutscher Pünktlichkeit um 19:30 Uhr endlich die Türen öffneten. Natürlich wurde ich wie jeder andere Besucher durchsucht und musste noch die Email vom Management von LDC vorzeigen, damit ich meine Kamera mit hinein nehmen durfte. Alles gut, ein Bier gekauft und direkt einen Platz vor der Bühne gesichert, denn ich erwartete, daß es voll werden würde. Das Konzert war restlos ausverkauft.

Die Show begann pünktlich (wieder sehr deutsch) um 20:15 Uhr und war jedoch nach knapp 45 Minuten schon vorbei, als sich die Band gerade warm gespielt hatte. Es gab einen Stromausfall (zumindest schien es so), bis man im Hintergrund eine Stimme hörte, die sagte: „Es ist zu einem technischen Problem gekommen, bitte verlassen Sie das Gebäude. Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Jedenfalls sinngemäß sagte sie so etwas. Also sind wir alle raus, ich ging zum Notausgang hinter der Bühne, wo sich auch die Band befand. Dann heulten auch schon die Sirenen und dutzende Feuerwehrwagen kamen an, Feuerwehrmänner sprangen heraus und rollten ihre Schläuche aus. Ich vermute es gab einen Fehlalarm in dem hochtechnisch ausgestatteten neuen FZW. Was nun genau passiert war, wurde nicht gesagt.

Ich unterhielt mich mit einer netten Studentin aus Dresden, die derzeit in Münster Design studierte. Da wo die Band auch herkam. Wie passend. Nach knapp 15 Minuten war das Schauspiel auch schon zu Ende. Die Schläuche wurden wieder eingerollt und wir konnten in die Halle zurück. Ich suchte mir einen neuen Platz vor der Bühne, um eine andere Perspektive aufnehmen zu können. Zwar bedeutete diese Unterbrechung einen Schnitt im Fluss der Lieder, aber die Gruppe fand gekonnt wieder zurück auf die Gleise.

Die Show war eine bunte Mischung aus den gesamten fünf Alben der Band und man merkte ihnen ihre Spielfreude an. Sehr sympatische Menschen mit sehr energiegeladenen, emotionalen Liedern, die den Besucher auf gleich mehrere Trips entführte.

Eines der wohl ungewöhnlichsten Konzerte mit Unterbrechung, aber eine wunderbare Band. Wo ist denn jetzt die nette Studentin von vorhin geblieben?

Setlist Long Distance Calling
Into the Black Wide Open
Trauma
Sundown Highway
359
The figrin D’an Boogie
Black Paper Planes
Aurora
Ductus
The Very Last Day
Momentum
Timebends
Arecibo
Apparations
Metulsky Curse Revisited
Flux

Das Mono Syndrom

Konzert vom 30. Oktober 2016 im Gebäude 9 in Köln.
Alcest, Mono, Syndrome

Nach meiner Reise durch Laos, über die ich hier vielleicht einmal berichten werde, hat mich nun der Alltag leider wieder und die wenigen Momente, in denen ich mich in ferne Welten begeben und auf virtuelle Reisen gehen kann, sind zum Beispiel Konzerte. Für ein paar Stunden entführen mich die Musiker mit Klang, Licht und Vibrationen in kleine Phantasielandschaften. Notwendig in dieser entmenschlichten Zeit.

Heute war es eine besondere Reise, denn ich konnte endlich wieder Mono aus Japan bewundern, die ich zum letzten Mal 2011 im Druckluft in Oberhausen gesehen hatte. Es wurde also wieder Zeit. Eine weitere Premiere war meine neue Kamera, die ich heute zum ersten Mal auf einem Konzert ausprobieren wollte und generell noch nie getestet hatte. Ein kleines Risiko, denn das Management von Mono wollte die fertigen Bilder gerne verwenden.
Vielleicht durch die Luftfeuchtigkeit in Laos oder technische Defekte ist meine alte Kamera gegen Ende meiner Reise kaputt gegangen und die direkt nachbestellte baugleiche Kamera hatte ebenfalls Defekte. Daher habe ich das Less Than Jake Konzert vom 13. Oktober nicht gepostet, weil die Bilder einfach nur miserabel waren. Also wieder eine neue Kamera samt Objektiv gekauft udn nun bin ich stolzer Besitzer einer neuen Spiegelreflex eines anderen Herstellers. Und heute war Premiere im Gebäude 9 bei Mono.

Ich traf zwar noch recht früh gegen 19:45 Uhr ein, hatte nur so weit weg geparkt, dass ich etwas laufen musste. Das Konzert war restlos ausverkauft und die Halle voll. Oje, ich musste mich durch den ganzen Wust an Menschen durchkämpfen, um einen halbwegs guten Platz vor der Bühne zu ergattern. Ich stand leider nur in der zweiten Reihe und der Fotograf vor mir war nicht bereit, auch nur ein wenig nach links zu rutschen, damit wir beide einen tollen Platz zum fotografieren hätten. Während des Konzertes machte er diese Lücke sogar zu und behinderte mich irgendwie sogar bei meinen Aufnahmen, indem er sich gegen mich stemmte. Es sind denke ich dennoch ein paar gute Bilder bei herumgekommen und ich bin sogar schwer begeistert von meinem neuen technischen Begleiter.

Ich kam gerade rechtzeitg, denn das Konzert begann pünktlich und Mathieu Vandekerckhove setzte sich alleine auf seinen Stuhl. Er ist besser bekannt unter seinem Solo-Projekt Syndrome und spielt auch bei Bands wie Amenra, Kingdom Deah und Sembler. Die Bühne war in ein kaltes, blaues Licht getaucht und im Hintergrund lief ein schwarz-weiss Film mit Sequenzen von Meer, Frauen in den Dünen liegend und Wasserspielen ab. Das Ganze brachte mit dem trägen, aber stimmungsvollen und grummelnden Sound ein recht schweres Ambiente mit und oft vergass man, dass dort nur Mathieu saß, der all diese überlagerten Klänge produzierte.

Irgendwann während seiner Show quatschte mich die Frau neben mir an, ich möchte meine Kameratasche doch auf dem Bauch tragen. Ich drehte sie auf den Rücken und stellte später fest, daß sie fast die ganze Zeit während des Konzertes von Mono und Mathieu nur auf ihr Handy glotzte und den Musikern auf der Bühne kaum Beachtung schenkte, bis dann am Ende ihre Lieblingsband kam, wegen der sie nur gekommmen war und die sie stolz auf ihrem Shirt herumtrug.

Nachdem Mathieu nach einer geschätzten halben Stunde sein Set beendet hatte, wurde kurz umgebaut und mein Hauptgrund dieses Abends betrat die Bühne. Mono. Aus Japan. Vier Personen, die bereits seit 1999 Musik machen. Erst im Oktober veröffentlichten sie ihre neue Platte Requiem For Hell bei einem meiner Lieblings-Label Pelagial Records, dessen Titeltrack sie sogar zum Abschluss spielten. Inspiriert wurde die Platte von Dantes Göttlicher Komödie.

Monos instrumentaler Klangteppich geht bisweilen durch Mark und Bein, wenn sie aus klangvollen Teppichen in druckvolle Wellen ausbrechen. Auch wenn sie eine der wenigen Bands sind, die bei Konzerten sitzen, verzeihe ich ihnen dies, denn sie verbreiten bisweilen eine ungeheure Energie, die sich im nächsten Moment in ganz ruhige Gewässer mit einer atemberaubenden Berglandschaft verwandelt. Rein musikalisch natürlich. Das sind diese Momente, in denen ich aus meinem Alltag entfliehe und von der Musik gefangen bin und mich nur auf die Klänge und mögliche fotografische Schnappschüsse konzentrieren kann.

Wieso der Veranstalter diese Reihenfolge an Bands gewählt hat, ist mir schleierhaft. Ich hätte gerne Mono als Hauptakt gesehen, denn was zum Schluss kam, haute mich nicht mehr aus den Socken. Alcest stammen aus Avignon in Frankreich und sind eigentlich das Soloprojekt des Gitarristen und Sängers Neige. Alcest wurde 2000 gegründet und sie haben bislang fünf Studioalben heraus gebracht. Sie fingen damals als Black Metal Band an und gelten heute als Vorreiter des Blackgaze, einem hypnotischen Genre des Post-Metal.
Die Jungs kamen mir leider etwas zu selbstverliebt rüber und die Musik war mir persönlich zu eintönig. Auch wenn beide Gitarristen sangen, dachte ich zuerst sie fabrizieren nur Sounds mit ihren Stimmen, aber irgendwann kamen die Stimmen durch die Boxen und ich erkannte, daß sie sogar sangen.

Ehrlich gesagt möchte ich keine Band verreissen, aber Alcest langweilten mich zum Teil, denn es fehlte mir der Drive und der Knall. Das gewisse Etwas und diese selbstverliebten Blicke ins Publikum empfand ich als eher störend und irritierend. Es gab zum Glück keine Zugabe.

Gegen knapp 0 Uhr war das Spektakel zu Ende und ich besorgte mir an dem Merch-Stand von Mono noch eine ihrer alten Platten, die mir noch in meiner Sammlung fehlte: One Step More And You Die und die New York Soundtracks in einer Deluxe-Vinyl Version. Mit der For My Parents Platte von Mono in voller Lautstärke ging es dann über die A3 wieder nach Hause.

Setlist Mono:
Ashes In The Snow
Death In Rebirth
Dream Odyssey
Pure As Snow
Recoil, Ignite
Requiem For Hell

Setlist Alcest:
Onyx
Kodama
Je Suis D’ailleurs
Écailles De Lune
Autre Temps
Oiseaux de Proie
Eclosion
Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
Délivrance

Federleichte Schwere

Konzert vom 29. August 2016 im Kulttempel in Oberhausen
Caspian, Jo Quail

Zuletzt habe ich Caspian vor knapp sechs Jahren im Kiff in Aarau in der Schweiz gesehen. Damals hat auch noch ihr damaliger Bassist Chris Friedrich gelebt, der im August 2013 unerwartet verstarb. Da Caspian eine sehr gute Live Band sind, habe ich natürlich direkt Backs von Positive Records gefragt, der das Konzert veranstaltete, ob ich dort Fotos machen kann. Alles klar, Karte besorgt und mich schon drauf gefreut.

Den Kulttempel in Oberhausen kannte ich bis dahin noch nicht. Ich habe ihn auch natürlich nicht auf Anhieb gefunden und meinen Wagen direkt neben dem Fitnessstudio geparkt. Ich hätte auch direkt vor der Halle parken können, wie ich später feststellen musste, aber das ist ja zu einfach.

Ich war ein bisschen früh in der Zeit, also schlug ich die Zeit mit einem Bier tot, sah mir den Merchandise der beiden Bands an, wobei die Frau bei dem Caspian Stand zu meinen Shirt meinte: „Die beste Band der Welt.“ „Toundra? Ja sie gehören zu den besten!!“ (Im Instrumental Postrock auf jeden Fall.)

Der Kulttempel ist nicht sonderlich groß, man sieht, daß er auch als Diskothek genutzt wird, dann werden am Bühnenrand Eisengitter angebracht. Riesige Heiligenbilder hängen an den Wänden und das Gebäude gleicht einer nostalgischen Bahnhofshalle aus Backstein. Mit zwei Bars selbstverständlich.
Die Vorband kannte ich nicht und war sehr überrascht, was nun auf mich zukam. Es war zwar ein normales Bühnenset für Gitarren und Bass aufgebaut, aber hätte ich genauer hingesehen, wäre mir aufgefallen daß sie zu Caspians Equipment gehörten. Jeden Verstärker zierte ein Licht mit einer feder drauf, wie auf dem letzten Album.

Eine schlanke, hochgewachsene Frau betrat die Bühne und schraubte ein geschwungenes Saiteninstrument auf einen Sockel. Yo Quail, eine Londoner Cellistin und Filmkomponistin. Sie stellte ihr elektronisches Cello vor (hatte das Ding einen Namen?) und erklärte ihr erstes Stück. Dabei nahm sie einzelne Loops und Passagen auf, ließ sie digital in einer Endlosschleife laufen und baute so ein komplexes und volles Kunstwerk mit nur einem einzigen Cello auf. Das klang sehr spannend und war völlig unerwartet. Weniger tanzbar, eher hörbar, auch wenn man an einigen Stellen mit dem Kopf wippen musste oder sein Bein zucken ließ.

Sie war die Ruhe vor dem Sturm von Caspian. Ihr Konzert begann zwar sehr ruhig in einem blauen Licht mit viel Nebel, doch irgendwann flackerte das Stroboskop, als sie ihre lauten und energiegeladenen Parts spielten. Die Show hatte soviel Energie und plätscherte zeitweise durch ruhige Wellen, daß wir Zuschauer auf eine unglaubliche Reise mitgenommen wurden.

Bergzebras aus der Tundra

Konzert vom 18. Mai 2016 im Druckluft Oberhausen
Toundra und Mountain Zebras

Es hatte ein wenig gedauert, bis ich diesen Review schrieben konnte, da ich mit anderen Projekten beschäftigt war. Daher erst jetzt und knapp eine Woche nach dem eigentlichen Konzert, ein kurzer Bericht.

Es sollte ein weiteres Highlight dieses Jahres sein und ich habe mich riesig gefreut, endlich diese spanische Postrock Kapelle live sehen zu dürfen. Das Konzert hatte mit 19 Uhr zum Einlass eingeladen, aber wir mussten eine geschlagene Stunde warten, bis wir endlich die Halle betreten konnten.
Für die Vorband Mountain Zebras aus meiner Heimatstadt Essen war es das erste Konzert und direkt vor einem großen Namen wie Toundra.

Die Gruppe gibt es seit 2016 und besteht aus zwei Männern, die beide mit Gitarre und einem Laptop auftreten. Die Musik war sehr seicht, psychedelisch und es fehlte mir etwas der Drive und ein Tritt auf das Gaspedal. Aber für eine in diesem Jahr gegründete Band bei ihrem allerersten Konzert sicher ein hervorragendes Debut.

Mountain Zebras live im Druckluft, Oberhausen am 18. Mai 2016.

Mountain Zebras live im Druckluft, Oberhausen am 18. Mai 2016.

Gegen 21 Uhr traten dann endlich das lange erwartete Quartett von Toundra die Bühne. Sie stammen aus Madrid und haben sich bereits 2007 gegründet. Momentan sind sie mit ihrer neuen Platte IV auf Tournee. Ich kannte sie schon etwas länger von ihren vergangenen Platten und war umso mehr erfreut, sie endlich mal live zu sehen.

Ihre Lieder waren eine bunte Mischung aus allen vier vergangenen Scheiben und einige Lieder kannte ich nicht, da ich nur zwei ihrer Vinyle in meiner Sammlung habe. Die Jungs sind ein sympatischer Haufen, denen es Spaß machte zuzusehen, denn sie hatten ebenso viel Spaß wie das Publikum. Auch wenn nur knapp 50 Leute anwesend waren, die Stimmung war dennoch großartig. Ich hatte das Gefühl, je länger das Konzert dauerte, desto intensiver und energetischer wurden die Songs. Sie rockten immer weiter und ihre Musik wurde immer intensiver. Nach ein paar Zugaben war dann auch leider schon Schluss, aber ich werde sie sicher noch einmal live sehen.

Toundra live im Druckluft, Oberhausen am 18. Mai 2016.

Toundra live im Druckluft, Oberhausen am 18. Mai 2016.

Hier noch eine Galerie mit verschiedenen Fotos vom Konzert: