Nummer 125

Friedrich Nietzsche saß oft
zusammen mit Richard Strauss
in dieser billigen Kneipe
an der Ecke,
wo der Rauch von der Decke tropfte
und sich mit den Pfützen aus Schweiss
vermischte, die sich am Boden bildeten,
weil die Bar so stickig war.
Sie tranken den billigsten Wein,
den der Wirt Franz zu bieten hatte.
Die Zeiten waren hart und niemand
kaufte Kompositionen oder
die Gedanken eines Philosophen.
Die Leute dürsteten eher nach Abenteuer,
Völlerei und einer willigen Hure.
Friedrich und Richard saßen an der Theke,
die dritte Flasche hatte ihnen gerade Franz gebracht
und Richard begann schon zu torkeln,
als er wieder einmal den Abort suchte
und statt dessen in den Spucknapf
neben dem Lagerraum pisste
und dabei noch nicht einmal richtig traf.
Das fiel niemandem auf,
denn Franz‘ Kneipe roch nach Tabak, Kotze und Suff.
In der Abstellkammer verloren die Frauen ihre Höschen,
und die Männer ihre Geldbörsen.
Wie Friedrich das alles hasste,
diese Völlerei und wenn er gut drauf war
und genug getrunken hatte,
schrie er lauthals gegen den tosenden Lärm
des Bargeschnatters an.
Aber niemand hörte ihn und so leerte er sein Weinglas
und prostete wieder Richard zu,
der schon ganz glasige Auge bekam.
Ihre Gedanken schweiften ab
und der einzige der sie verstand war Franz, der Wirt.
Nicht nur weil er in ihrer Nähe stand,
sondern weil er halbwegs nüchtern war
und sich heimlich am Marihuana labte,
daß er im Weinkeller rauchte,
wenn er Nachschub holen musste.
Er stimmte den Beiden Säufern zu,
die ihr Blut in ihrer Musik und Philosophie vergossen
und ihre Herzen öffneten,
bis sie seine Kneipe besuchten
und im Suff ertranken.
Richard war so viel jünger als Friedrich
aber sie verband eine Seele.
An diesem Abend schwankten sie wieder gemeinsam nach Hause
und Strauss komponierte in der gleichen Nacht
„Also sprach Zarathustra“,
dessen Titel sich Nietzsche borgte,
denn auch er schrieb an diesem Abend:
Nummer 125: Gott ist tot!

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Liebe strahlt wie Sonnenschein

Nach den Zeiten der Dunkelheit,
den Momenten des Schmerzes und
der unsäglichen Qualen
beim Durchlaufen der menschlichen
Emotionswüsten,
den bitterscharfen Zungen der Gehässigkeit
und der brutalen Lieblosigkeit und Egomanie,
begegnen mir Menschen,
aus deren Herzen
und Augen
die Liebe strahlt.
Ohne Hintergedanken,
vollkommen großzügig
und uneigennützig.
So rein und klar
wie warme Sonnenstrahlen
auf der nackten Haut,
während ich auf einer Wiese liege
und meine Augen in die Baumwipfel
des Lebens schauen.
Ein Atemhauch streicht über meine Stirn,
der frische Duft wohlriechender Haut
beflügelt meine Nase
und ich spüre die Wärme
eines anderen Körpers
in meiner Nähe,
der meinen Schmerz davon getragen hat.
Einfach so.
Ich weiss, manche Menschen sind sich
nicht bewusst,
was sie mir Gutes getan haben
und mein Leid verscheuchten
nur durch bloße Anwesenheit,
schönen Worten,
diesem Leuchten in ihren Augen
und diesem bezaubernden Lächeln auf ihren Lippen.
Ich kann mich ihnen derzeit
nicht erklären
und ihnen meine Blumensträuße der Dankbarkeit
entgegen bringen,
denn ihnen ist die Geschichte
davor nicht bekannt.
Das ist Karma,
das Leben hält die Kostbarkeiten
oft bereit, wenn man sie nötig hat
und sich plötzlich eine Hand
in meiner befindet,
die mich streichelt
und die Geister der Folterinstrumente
davon fliegen lässt.
In dem Wind des Karmas,
diese Naturgewalt
der nackten Reaktion
auf Handeln und Denken.
Manchmal schickt sie auch jemanden vorbei,
der wie der Sonnenaufgang
nach einer dunklen Nacht ist.
Wie kann ich dir jemals danken?

Dunkelheit

Ich lebe in einer Box
bemalt mit schwarzer Farbe
und kleinen Dornen an den Wänden,
an denen man sich fiese Schrammen holt
oder tiefe Wunden.
Von draußen scheint kein Licht hinein.
Ich kann froh sein, daß ich nicht gefesselt bin.
Ich fühle mich hingezogen zu den dunklen Seiten
des menschlichen Daseins,
um Krieg, Zerstörung und menschliche Widerlichkeiten
zu sehen und zu dokumentieren,
um es anderen zu zeigen.
Auf der dunklen Seite des Lebens
mit einer Kerze im Herzen,
die versucht Licht ins Dunkel zu bringen
und Freude, Liebe und ehrliche Anteilnahme
zu vermitteln.
Und dabei so einsam im Herzen
und so dunkel die Seele,
weil kaum ein Gegenüber mich versteht
oder selbst gefangen ist
in den menschlichen Egoismen,
der Ausnutzung oder oberflächlichem Interesse.
Es gibt da eine Stimme in mir drin,
die sagt oft: ‚Der Nick ist tot!‘
Ich kann sie nicht stoppen und
frage mich, ob sie nicht recht hat.
Bin ich nicht schon lange gestorben?
Oder wieso beachtet mich kaum jemand
oder kann in mein Herz hineinsehen
oder nutzt mich aus und fährt über mein Herz hinweg?
Geistert meine Seele noch ziellos umher
und kann den Weg hinaus nicht finden?
Oder bin ich seelisch gestorben
an den menschlichen Qualen,
der Menschen neben und fern von mir?
Zerstört vom Leben
und der Gabe des Menschen, sich weh zu tun.
Manchmal wünschte ich, die Stimme hätte recht,
denn Erlösung ist wie Erleichterung.

Das Leben ist ein Labyrinth

Das Leben ist wie ein Labyrinth,
manchen finden den Weg hinaus,
manche bleiben drin,
bis man ihre bleichen Körper findet,
mit dem Kopf an der steinernen Wand gelehnt
und einem Fragezeichen auf der Stirn.
Ich begegnete oft jemandem in diesen Irrwegen.
Mit manchen ging ich ein Stück,
Hand in Hand durch die dunklen Gassen.
Andere jedoch schlugen meine Hand aus
und wollten alleine weiter irren.
Ich sah sie später noch einmal.
Sie hatten schon diese Fragezeichen auf der Stirn.
Es gab ganze Wandergruppen im Labyrinth,
die oft diskutierten oder sich den Schädel einschlugen,
weil sie sich über den richtigen Weg stritten.
Wieder andere laufen alleine und suchen nach dem Weg,
machen sich Notizen in Gedanken oder in kleinen Heftchen.
Ich laufe meist alleine und manchmal Hand in Hand
mit einer Person, der ich vertrauen kann.
Das Labyrinth ist grausam und es fällt irgendwann schwer zu vertrauen.
Manche locken einen auf Irrwege und laufen dann lachend davon.
Manche rissen sich von meinen Händen los und
stürzten sich mitten in Gruppen, die
von einem farbigen Wimpel angeführt wurden,
die vorgaben den Weg hinaus zu kennen
oder eben auch nicht.
Manche ließen mich los
und folgten ihrem Instinkt.
Wenn ich des Nachts auf dem Boden lag
und die Sterne zwischen den hohen Mauern hervorschauten,
wanderten sie wieder an mir vorbei,
vergassen nicht zu grüssen,
aber ich sah die Verzweiflung in ihren Augen,
weil sie auch nicht den Weg hinaus gefunden hatten.
Sie folgten lauten Fahnenschwenkern
oder einer Horde, die wusste wie man die Sackgassen vermied.
Manchmal trafen sie andere,
die nur die Sterne ansahen und traten auf der Stelle.
Das Labyrinth ist wie das Leben.
Es gibt Leute, die wollen mit dir gehen
und es gibt andere die wollen umherirren
und sich in Sackgassen führen lassen,
wo sie alleine gelassen werden im Dunkel
der hohen Mauern eines Dickichtes aus Pfaden.
Ich habe gelernt alleine zu gehen
und den Tau von den Steinen der Mauern zu lecken,
um nicht zu verdursten.
Ich habe gelernt, mich an der Wärme der Liebe
zu freuen, die ich von den Menschen erhielt,
die mich begleiteten.
Den Weg hinaus habe ich nicht gefunden und manchmal
fällt es schwer,weiter nach dem Ausgang zu suchen.
Oder ob ich nicht einfach hinsetze und
meinen Kopf an die Wand lehne.