Im Bunker hört dich keiner

Konzert vom 07. März 2017 im Musikbunker in Aachen.
Madball, Absolve

Es konnte keinen besseren Ort für dieses Konzert geben als den Musikbunker in Aachen. Ich war selbst noch nie da, aber wann fahre ich schon die 120 Kilometer nach Aachen, um dort irgendetwas zu machen? Für ein gutes Konzert schon eher. Hätte ich alleine den Weg zum Konzertraum finden müssen, wäre ich vermutlich in dem Bunker verschollen, denn es ging zuerst eine Treppe herunter, ein Gang bog zudem noch links ab und am Ende der Treppe ging es einen unendlich langen, dunklen Tunnel entlang, an dessen Ende die Kasse stand. Wieder um eine Ecke und ich stand schon nach einem weiteren Gang in der Halle. Ich schaute mich um, damit ich am Ende den Weg nach draussen finden würde.

Ein Bier bei der netten Bedienung bestellt, auf den Plastikbecher gab es einen Euro Pfand, den man aber nur bekam, wenn man den mitgelieferten Chip mitsamt Totenkopf drauf und den Becher wieder abgab. Okay, also aufpassen!

Die Konzerthalle war nicht sonderlich groß und wurde von mehreren Säulen durchbrochen. Einen Großteil des Raumes nahm die Bar ein, einen anderen Teil die recht lange Bühne und das Mischpult. Die Wände waren schwarz gestrichen und am Podest der Bühne stand ein Schild: „Unbefugten ist das Betreten der Bühne untersagt“. Na dann mal sehen wie viele sich nachher daran halten werden. Oder werden die beiden Boxen am Rande der Bühne zum Stagediven benutzt, die merkwürdig verdreht in den Raum gestellt waren?
Ich fragte mich nebenbei, ob dieser Bunker einmal in Benutzung war während des Krieges und was sich zuvor in dem Raum befand. Ja, da kann einem mal schnell die Fantasie durchgehen.

Als Vorband spielte heute Absolve, eine recht junge Band aus Antwerpen. Sie spielen seit 2015 zusammen und sind momentan als Support für diverse Bands auf einer kleinen Europa Tour. Der Sänger schaute immer so grimmig in das Publikum und schrie sich so dermassen die Seele aus dem Leib, aber irgendwie sprang der Funken auf das Publikum nicht über. Was für mich ganz gut war, denn ich konnte so bequem hin und her laufen und ein paar Fotos machen, bis ich am Ende in der Mitte stand und irgendein Typ mit rudernden Armen seinen Ego-Beatdown Pogo in solo durchziehen musste. Bis heute ist mir der Sinn dieses brutalen Beatdown Pogos nicht erschlossen, vor allem, wenn er ausserhalb ihrer eigenen Szene stattfindet und das Publikum eigentlich immer überfordert mit rudernden Armen und tretenden Beinen ist. Auf ihren eigenen Konzerten können sich die Leute ja gerne die Zähne ausschlagen und Rippen brechen, aber auf Beatdown-fremden Shows finde ich es mega unpassend.

Die Jungs von Absolve waren auch recht flott mit ihrem Programm durch und Madball ließen ewig auf sich warten und das Publikum wurde zusehends unruhiger. Vielleicht auch Taktik, um die Menge mit dem ersten Ton direkt zu einer Explosion zu provozieren? Ich hatte mir zum Glück ein kleines, ruhiges Plätzchen gesichert und stand zwischen Bühne und diesen merkwürdig in den Raum gestellten Boxen. Platz genug für eine Person und ich hielt die Stelle für taktisch sinnvoll, um während des Pogos, der gleich losbrechen würde, einen geschützten Ort zu haben, um ruhig meine Fotos zu machen und nicht ständig umgepustet zu werden von dem pogenden Publikum. Am anderen Ende der Bühne stand ein kleiner Junge im Alter von vielleicht 8 Jahren mit seiner Mutter und ich hoffte, sie würde ihn rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Es sollte auch so kommen wie ich erwartet hatte, denn als die elende Warterei zu Ende war, gab es in der Menge vor der Bühne kein Halten mehr. Der Junge wurde auf die Bühne gehievt und durfte von dort zuschauen. Mama natürlich auch. Nicht nur auf der Bühne legte die Band ein Mordstempo vor, auch der Pogo war nicht mehr zu halten. An das bekloppte Verbotsschild hielt sich natürlich niemand und es standen ständig irgendwelche Zuschauer auf der Bühne und es wurde rege gestagedived (ist das richtig verdeutscht?).

Madball gelten mit Bands wie Agnostic Front und und Sick Of it All zu den bedeutendsten Hardcore Gruppen New Yorks und gerade Madball haben den Metalcore schwer beeinflusst. Kein Wunder also, daß Sänger Freddy Cricien der Halbbruder von Agnostic Fronts Roger Miret ist.
Sie spielten viele ihrer alten Hits und auch ein paar Lieder ihrer aktuellen Scheibe Hardcore Lives. Freddy machte unmissverständlich klar, was für ihn Hardcore bedeute und daß er Konzerte wie dieses so liebe, weil es hier keine Gräben zwischen Publikum und Band gäbe, wie bei den großen Festivals. Man sei sich sehr nahe.

Madball ist zudem eine der angenehmen Bands, bei denen das Publikum nicht um Zugaben betteln muss, denn sie spielen ihr Set durch und das war es dann auch.

Ich trank mir nach der Show noch ein Bier, fand den Weg aus dem Bunker wohlbehalten heraus und sogar mein in der Nähe geparktes Auto. Auf der Rückfahrt nieselte es etwas und ich wurde während der 1,5 Stunden Heimfahrt zunehmend müde. Am Düsseldorfer Flughafen bremste mich dann ein Schwertransport aus, den man nicht überholen durfte und so schlich ich einen Teil der Fahrt auf der Bahn mit 30 km/h daher.

Der Sound im Bunker war etwas schlecht abgemischt und ich hatte ein leichtes Fiepen mitgenommen. Neben den positiven Eindrücken einer sehr sympatischen Hardcore Band.

Setlist Madball
Hardcore Lives
Smell The Bacon
We The People
Get Out
Can’t Stop Won’t Stop
Lockdown
DNA
Seit It Off
Down by Law
Never Had It
Across Your Face
Face To Face
Streets Of Hate
All Or Nothing
Infiltrate The System
Look My Way
It’s My Life
Pride
Heaven Hell
Doc Marten Stomp
Hardcore Still Lives

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s