Willkommen im Club!

Konzert vom 27. Februar 2017 in der Christuskirche in Bochum.
Bohren und der Club of Gore

Bislang kannte ich Bohren und der Club of Gore nicht wirklich gut. Sie waren mir bekannt als die langsamste Band der Welt aus meiner Nachbarstadt Mülheim. Ich hatte sie mir mehrmals auf Youtube angehört und mein bester Freund Patrick hat sie mir einige Male vorgespielt und sie mir im Grunde nahegelegt. Ich wusste, Bohren spielen langsame, atmosphärische Musik im fast Dunkel. Das klang natürlich spannend, um es mit der Kamera einzufangen, denn fast Dunkelheit während eines Konzertes ist eine Herausforderung und mir gefiel die Musik auch sehr.

In der Christuskirche in Bochum, wo das Konzert stattfand, bin ich bislang nie gewesen, aber ich habe gehört, daß die Akustik dort sehr gut sein sollte. Daher war ich sehr gespannt. Ich fuhr also mit Patrick und seiner Freundin Stephanie nach Bochum und wir kamen so früh an, daß weder die Kirche offen war, noch daß Bohren ihren Merchandise Stand aufgebaut hatten. Wir beschlossen also, ein Bier in der Nähe zu trinken und endeten in der Fiege Bier Hauskneipe, zischten uns ein Bernstein Fiege und stellten bald fest, daß die Zeit nur so an uns vorbeigerannt war. Es war schon bereits Einlass und wir bezahlten rasch unsere Getränke in der urigen mit viel Holz und alten Wandbildern ausgestatteten Kneipe.

Draussen regnete es in Strömen und wir wurden gehörig nass, denn wir mussten fünf Minuten laufen. Es regnete so stark, daß trotz Schirm alles bis auf die Haut nass wurde und die Füsse in einem kleinen See in den Schuhen badeten. Das war nicht nur unangenehm, sondern auch vollkommen unangebracht. Die Kirche war nun wenigstens offen und wir drängten uns in den ehemaligen Sakralbau. Das Gebäude selbst war recht modern und vermutlich auf den Mauern einer alten Kirche errichtet, die wohl einmal zerstört wurde. Zumindest passte der eckige Bau des ehemaligen Altarraumes nicht zu dem verschnörkelten Kirchturm daneben.

Die Sitzbänke waren schon gut gefüllt und ich wunderte mich, daß die Band einen so großen Zuspruch hatte. Das Publikum war sehr gemischt und ich entdeckte viele Menschen, die Hüte trugen. Oder Mützen. Wir suchten uns einen Platz im hinteren Teil und zogen die patschnassen Jacken aus. Die Hosen behielten wir an, denn den Anblick wollten wir ersparen und es war auch etwas kalt in dem Bau. Vorne, wo früher der Altar stand, war die niedrige Bühne aufgebaut, die in blaues Schummerlicht getaucht war. Das Kreuz an der Wand hing noch immer dort.

Bohren und der Club of Gore gibt es schon seit 1992, auch wenn sich die Mitglieder schon etwas länger kennen. Sie teilten sich dieselbe Liebe für extreme Musik wie Hardcore, Grindcore oder Doom-Metal. Sie selbst bezeichnen ihren Sound als langsamen Doom-Jazz und sind vor allem im Ausland bekannt geworden und haben dort auch ihre Platten zuerst veröffentlicht. Der Deutsche ist ja bekanntlich eher skeptisch allem Neuen und so bekommen sie erst jetzt die Anerkennung in ihrem eigenen Land, die ihnen gebührt. Letztes Jahr verließ der langjährige Schlagzeuger Thomas Benning die Gruppe nach 25 Jahren und die verbliebenen Mitglieder haben irrwitzige Konstruktionen gebaut, um die einzelnen Schlaginstrumente unter sich aufzuteilen und mit den Füßen zu bedienen. Soll ich ihnen mal vorschlagen, sich an Patrick zu wenden, der nicht nur ein großer Fan Bohrens ist,sondern auch ein begnadeter Schlagzeuger?

Das Konzert war wie erwartet dunkel und nur ein paar wenige Lichter erhellten die Musiker, damit sie wenigstens ihre Instrumente sehen können. Sie hatten zum heutigen Rosenmontag tolle rosafarbene Cowboyhüte auf, die mit Pailletten und einem Diadem geschmückt waren. Das Saxophon trieb atemberaubende Melodien in die Weiten des Kirchenschiffes, der elektronische Bass wummerte durchdringend und die Orgel spielte Töne, die sehr weit von den sakralen Kirchenliedern war, die vorher hier gespielt wurden. Bohren versteht es, so präzise zu spielen und die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen und auf eigene individuelle Reisen durch Bohrens Klangkosmos zu verzaubern.

Vibrafon- und Saxonophon-Spieler Christoph Clöser machte sehr erheiternde Ansagen, die aber zu dem ganzen Orbit der Gruppe passten wie ein Detail im Kirchenfenster. Ich erinnere mich an nicht viel, aber er meinte sinngemäß z.B.: „Das nächste Lied geht über das Älter-werden und daß man im Alter eine gewisse Weisheit erreicht. Daher sollte man auf alte Menschen hören, denn sie können einem helfen, so Fehler zu begehen, wie das zu kochen, was ganz hinten im Kühlschrank steht. Oder zuerst das Zelt aufbauen und dann zu trinken.“ „Das nächste Lied handelt von einer Frau, die ausgezogen ist, um in Amerika ihr Glück zu suchen und dort dann unter die Räder gekommen ist.“

Ich bin mit dem Konzert auch zu einem Verehrer Bohrens geworden und wäre ich reich, hätte ich mir an dem Abend das gesamte Programm zugelegt, was sie zum Glück jetzt neu auf Vinyl aufgelegt haben. Was mich als Vinyl-Liebhaber natürlich erfreut, aber meine Kasse war mal wieder leer. Sie haben mich überzeugt, in ihren Bann gezogen und ich werde sie mir sicher noch einige Male ansehen müssen. Das Beste, was man an einem Rosenmontag Abend machen konnte. Danke!

Und wer schenkt mir jetzt das gesamte Vinylprogramm von Bohren?

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