Hey Ihr Immigranten!

Konzert vom 18. Februar 2017 im Gebäude 9 in Köln.
Che Sudaka

Es war nun schon fast ein Jahr her, daß ich <strong>Che Sudaka in Bochum gesehen habe. Die Band steht für eine ungezwungene, ausgefallene Tanzstimmung, also auf nach Köln.

Um das Jahr 2000 herum kamen vier Musiker aus Lateinamerika in Barcelona an, um vorerst Straßenmusik mit ständig wechselnden Besetzungen zu spielen. Zwei Jahre später nahmen sie dann bereits als Che Sudaka vereint ihren ersten Song Sin Papeles für einen Sampler von Mano Chao auf. 2003 erschien bereits ihr erstes Album Trippie Town, mit dem auch ich begann, sie zu hören. Ungefähr 2005 habe ich sie im Grend in Essen gesehen und seitdem hat sich bei der Band eine Menge getan. Sie sind geschrumpft. Ihr Schlagzeuger ist einem Drumcomputer gewichen und der Bass kommt wohl nun auch von Band.

Merkwürdig für eine ehemalige Straßenmusiker-Kombo? Etwas. Aber das tut ihrem Sound keinen Abbruch und sie sind immer noch eine der aktivsten Live-Kapellen, die es verstehen, ihr Publikum an den Beinen zu ziehen und sie zum Tanzen zu bringen. Und dabei immer politisch – Lieder wie Sin Papeles (ohne Papiere) sind obligatorisch, nur der Ruf der baskischen ETA Alerta Bihotza bleibt aus. Aber Sänger Leo hatte ein EZLN T-Shirt, um ihre politische Gesinnung und die Gedanken an den zapatistischen Widerstand der indigenen Bevölkerung in Mexiko aufrecht zu halten.

Die Halle war glaube ich ausverkauft und ich hatte irgendwann keine Lust mehr, mich durch die Zuschauer zu zwängeln, um einen zweiten Blickwinkel für die Fotos zu bekommen. Entweder war ich an dem Abend sehr heissblütig oder es war einfach echt warm im Gebäude 9. Ich schwitzte und mit mehr als einem Lächeln verließ ich Köln wieder in Richtung Heimat.

Ach ja, da gab es wieder Stau auf der A3, weil die deutschen Idioten es nicht hinbekommen, solidarisch bei einer Fahrbahnverengung zu fahren und sich weiter mit dicken Pestschleudern nach vorne drängeln, um den vermeintlich besten Platz zu ergattern. Und dann langsam fahren an Stellen, wo man zügig geradeaus fahren kann, aber ja, die Walze am Straßenrand, hell erleuchtet muss natürlich begutachtet werden. Da war es vorbei mit dem Grinsen bei mir.

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Spielpuppen in rauen Bereichen

Konzert vom 15. Februar 2017 im Poppodium Grenswerk in Venlo.
The Toy Dolls, Harsh Realms

Zwischen dem SNFU Konzert und der heutigen Show, besuchte ich noch Helmet im Gebäude 9 in Köln. Der Artikel wird in der April Ausgabe des OX Fanzines veröffentlicht. Sobald ich ihn habe, stelle ich ihn mit ein paar Fotos hier online.

Das Toy Dolls Konzert in Essen war bereits ausverkauft, und da ich meine neue Liebe zu Konzerten in Holland entdeckt habe, lag es auf der Hand für die Toy Dolls nach Venlo zu fahren. Eine Stadt an der deutsch-holländischen Grenze, nur knapp 45 Autominuten von mir zu Hause entfernt. Früher der Pilgerort für alle Kiffer aus dem Ruhrgebiet, der aber auch über einen gut sortierten, wenn auch etwas teuren Plattenladen verfügt. Nicht-Kiffern und Anhängern des Radios wird Venlo sicher durch die 2 Brüder ein begriff sein, wo am Wochenende ganze Horden deutscher Ausflügler Kaffee und sonstiges Zeug einkaufen.

Ich parkte den Wagen etwas ausserhalb des Zentrums in den kostenlosen Straßen und lief ein paar hundert Meter in die Stadt und kaufte in einem Supermarkt erst einmal diese kleinen holländischen Rosinenstütchen, Vla, Schokoladenstreusel und ein paar andere typisch holländische Spezialitäten. Schon beim Einkauf lief mir das Wasser im Mund zusammen und ich beschloss, öfters nach Holland zu fahren.

Die Sachen wieder im Wagen verstaut und zurück in die Stadt die Halle suchen. Das Konzert sollte im Grenswerk stattfinden. Von den Bildern, die ich vorab im Internet recherchiert habe, schien es ein relativ neues Gebäude zu sein und richtig, es sah aus, als wenn es vor 2 Jahren erst errichtet wurde. In der Halle stellte ich fest, daß ich mir vor dem Eingang einige Chips kaufen musste, mit denen ich dann mein Bier bezahlen kann. Für 10 Euro gab es fünf Chips. Das war dann auch der Mindestbetrag, den man an Chips holen konnte. Ein kleines Bier kostete einen Chip. Na, da macht der Schuppen sicher jede Menge Gewinn von den Leuten wie mich, die nicht alle Chips zum Trinken aufbrauchten.

Die Halle selbst glich einem Raum für Ballett- oder Orchesterveranstaltungen. Punks wie die Toy Dolls schienen irgendwie deplatziert zu sein. Als Auftakt spielten Harsh Realms aus Rosendaal in den Niederlanden. Ihre Ansagen verstand ich nicht, denn sie sprachen nur holländisch und spielten eine gefällige Mischung aus rockbarem Punk und angenehmen Rock. Nichts weltbewegendes, aber tanzbar.

The Toy Dolls sind die Begründer des Funk-Punk Genres und wurden schon 1979 gegründet. Das einzig verbliebene Mitglied der Ur-Besetzung ist Olga Algar an der Gitarre. Begleitet wurde er nun von Tommy Gobber am Bass und dem legendären Duncan Redmonds, dem Schlagzeuger von Snuff. Nicht nur wegen ihm wollte ich die Dolls sehen, denn wenn schon nicht Snuff selbst kommen, dann wenigsten ein Bandmitglied von ihnen auf der Bühne.

Was sollte man von diesen Ulknudeln anderes erwarten als eine lustige Show mit vielen Einlagen, Lametta, Luftballons und Comedy. Sonnenbrillen, viel Choreografie, Hüpfen und jeder Menge Witze.
Um knapp 22:30 Uhr flogen dann die Luftballons von der Decke und die Show war vorbei. Es knallten die Ballons und ich verließ diese edle Stätte der Musik im Herzen venlos.

Setlist The Toy Dolls
Fiery Jack
Cloughy Is A Bootboy
Bitten By A Bed Bug!
The Death Of Barry The Rooper With Vertigo
Dirty Doreen
Dougy Giro
Spiders In The Dressing Room
Nellie The Elephant
The Ashbrooke Launderette
Alfie From The Bronx
Bless You My Son / My Girlfriend’s Dad Is A Vicar
She’ll Be Back With Keith Someday
Idle Gossip
The Lambrusco Kid
Tocatta In Dm
Alecs Gone
Drums
Harry Cross (A Tribute To Edna)
Wipe Out!
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When The Saints
Glenda And The Test Tube Babies
Dig That Groove Baby
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She Goes Out To Finos
Theme Tune