Goldenes Neonlicht

Konzert vom 12. Dezember 2016 im Zakk in Düsseldorf.
The Notwist

Das erste Konzert mit The Notwist habe ich am 08. Januar 1994 im ehemaligen Jugendzentrum Papestrasse in Essen erlebt, als sie als Vorband von Toxoplasma spielten. Das weiß ich so genau, weil ich die Karte noch hier habe. Damals waren sie noch sehr punkig und haben mich so dermassen begeistert, daß ich mir ihre handgeschriebene Setlist mitgenommen und seitdem jedes Album direkt am Erscheinungstag besorgt habe.

Heute sind The Notwist viel experimenteller geworden und spielen jetzt als Headliner und wie heute -sogar eigene Shows ohne Vorband. Aber die Setlisten sind immer noch handgeschrieben. Das Zakk veranstaltet gerade ein Festival unter dem Titel „Meine Lieblingsplatte“, wobei Bands eine Platte komplett durchspielen. The Notwist waren mit ihrer Neon Golden dabei. Es ist nicht wirklich meine absolute Lieblingsplatte der Gruppe, da schwanke ich zwischen der Nook und 12. Aber das Album hat ihnen wahrscheinlich den Durchbruch gebracht, der sie bis heute auf internationalen Bühnen spielen lässt.

Da ich die Band für mein Buch fotografieren möchte, habe ich also Florian vom Management angeschrieben, mir eine Erlaubnis geben lassen, daß ich meine Kamera mit hinein nehmen darf und mich derbe auf das Konzert gefreut. Es sollte voll werden und es war sogar so voll, daß ich sogar darauf verzichtet habe, in der Menge umher zu laufen, um eine andere Perspektive für meine Fotos zu bekommen. Das kann man als fotografisch sehr einseitig oder langweilig betrachten, aber mein Ziel ist es ja auch, die Bands aus Sicht der Zuschauer zu fotografieren. ich weiß leider auch, wie nervig Fotografen sind, die permanent wischen den Reihen umher laufen, schubsen, um ihre Scheiss Fotos zu bekommen. Ich versuche das zu vermeiden und möchte natürlich auch die Musik geniessen.

The Notwist spielen bereits seit 1989 zusammen und Neon Golden war ihr fünftes Studio Album und wurde 2002 veröffentlicht. Sie sind wohl eine der bekanntesten deutschen Indierock Bands und ihre Platten belegen sogar hohe Platzierungen in den deutschen Charts (wie z.B. Neon Golden Platz 10 für 11 Wochen).

Die Lieder des heutigen Abends waren somit bekannt, wobei Micha direkt zu Anfang klar machte, daß die Reihenfolge geändert worden ist. Also blieb es weiterhin spannend, welches Lied als nächstes kommen sollte. Die Stücke wurden auch nicht exakt wie auf der Scheibe gespielt und Notwist gaben Raum für Improvisationen, wie es schon auf der letzten (Live) Scheibe Superheroes, Ghostvillains + Stuff taten. Dabei dreht die Band in fast technoide Trance-Sphären ab, die so treibend und sphärisch sind, daß man unweigerlich zu tanzen beginnt.

Nach der regulären Platte spielte die Band noch ein paar Lieder anderer Alben. Der Abend war sehr intensiv und die Gruppe versteht es Musik zu machen und ist immer noch eine geniale Liveband. Das war auf jeden Fall eines der intensivsten Konzerterlebnisse in diesem Jahr.

Setlist The Notwist
One Step Inside
Pick Up The Phone
One With The Freaks
This Room
Solitaire
Trashing Days
Neon Golden
Pilot
Off The Rails
Consequence

Kong
Boneless
Into Another Tune
Gravity

Run Run Run
One Dark Love Poem
Lineri

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Ferngespräche mit Feueralarm

Konzert vom 09. Dezember 2016 im FZW in Dortmund.
Long Distance Calling

Wenn ich Konzerte besuchen möchte, ist das immer ein kleiner Akt. Ich muss mindestens einen Monat vorher auf meiner Arbeit Bescheid geben, daß ich an dem Tag Frühdienst haben möchte. Mein Spätdienst endet um 20:30 Uhr und da platze ich dann meistens erst mitten im Konzert hinein und bekomme nur die Hälfte mit. Das ist dann nicht besonders zufriedenstellend. Ich brauche einen neuen Job.

Für heute hatte ich mir Long Distance Calling vorgenommen. Die Band höre ich seit der ersten Platte, aber hatte sie das letzte Mal vor einigen Jahren live gesehen. Also war es mal wieder an der Zeit, sie zu besuchen. Die Gruppe war gerade auf einer Tour, die sie „An Evening with Long Distance Calling“ nannten und auf der sie ihre Instrumental Stücke spielten. Parallel dazu fanden auch einige Shows als Vorband von Amorphis statt. Mit der letzteren Band kann ich leider nichts anfangen und einen wunderbare Abend mit der sympatische Truppe aus Münster wollte ich nicht missen.

Ihre letzte Scheibe „Trips“ gefiel mir sehr gut, auch wenn sie sich etwas von dem instrumentalen Rock ihrer Anfangstage entfernt hatten und etwas in den Prog-Rock, Depri-Rock Gefilden mit Gesang herum schipperten. Sie hatten jedoch ihren Drive und die atmosphärischen Welten, die sie erschaffen, behalten und laden mich stets zum Träumen ein.

Also habe ich mich mit meinem Kleinwagen auf dem Weg nach Dortmund gemacht und kam diesmal viel zu früh um 19 Uhr an, als die Tore noch nicht einmal geöffnet waren. Aso wartete ich in der nicht allzu schlimmen Kälte des Winters nur im Kapuzenpulli, weil ich meine Jacke im Auto verstaut hatte, bis sich nach deutscher Pünktlichkeit um 19:30 Uhr endlich die Türen öffneten. Natürlich wurde ich wie jeder andere Besucher durchsucht und musste noch die Email vom Management von LDC vorzeigen, damit ich meine Kamera mit hinein nehmen durfte. Alles gut, ein Bier gekauft und direkt einen Platz vor der Bühne gesichert, denn ich erwartete, daß es voll werden würde. Das Konzert war restlos ausverkauft.

Die Show begann pünktlich (wieder sehr deutsch) um 20:15 Uhr und war jedoch nach knapp 45 Minuten schon vorbei, als sich die Band gerade warm gespielt hatte. Es gab einen Stromausfall (zumindest schien es so), bis man im Hintergrund eine Stimme hörte, die sagte: „Es ist zu einem technischen Problem gekommen, bitte verlassen Sie das Gebäude. Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Jedenfalls sinngemäß sagte sie so etwas. Also sind wir alle raus, ich ging zum Notausgang hinter der Bühne, wo sich auch die Band befand. Dann heulten auch schon die Sirenen und dutzende Feuerwehrwagen kamen an, Feuerwehrmänner sprangen heraus und rollten ihre Schläuche aus. Ich vermute es gab einen Fehlalarm in dem hochtechnisch ausgestatteten neuen FZW. Was nun genau passiert war, wurde nicht gesagt.

Ich unterhielt mich mit einer netten Studentin aus Dresden, die derzeit in Münster Design studierte. Da wo die Band auch herkam. Wie passend. Nach knapp 15 Minuten war das Schauspiel auch schon zu Ende. Die Schläuche wurden wieder eingerollt und wir konnten in die Halle zurück. Ich suchte mir einen neuen Platz vor der Bühne, um eine andere Perspektive aufnehmen zu können. Zwar bedeutete diese Unterbrechung einen Schnitt im Fluss der Lieder, aber die Gruppe fand gekonnt wieder zurück auf die Gleise.

Die Show war eine bunte Mischung aus den gesamten fünf Alben der Band und man merkte ihnen ihre Spielfreude an. Sehr sympatische Menschen mit sehr energiegeladenen, emotionalen Liedern, die den Besucher auf gleich mehrere Trips entführte.

Eines der wohl ungewöhnlichsten Konzerte mit Unterbrechung, aber eine wunderbare Band. Wo ist denn jetzt die nette Studentin von vorhin geblieben?

Setlist Long Distance Calling
Into the Black Wide Open
Trauma
Sundown Highway
359
The figrin D’an Boogie
Black Paper Planes
Aurora
Ductus
The Very Last Day
Momentum
Timebends
Arecibo
Apparations
Metulsky Curse Revisited
Flux