Mit Matt auf dem Jupiter

Konzert vom 29. November 2016 im Zakk Club in Düsseldorf.
Jupiter Jones, Matt Gresham

Wieder Zakk Club, wieder mal Spätdienst. Och nee oder? Bis 20:30 Uhr arbeiten und um 19:30 Uhr werden bereits die Türen im Zakk geöffnet. Was tun? Also lieb bei Jolantha und Edith betteln, doch schon um 20 Uhr gehen zu dürfen und die Beiden waren so nett, mich ziehen zu lassen.

Ab nach Hause, meinen beiden Meerschweinchen ein Abendessen geben und los. Kamera geschnappt, ins Auto gehüpft und auf nach Düsseldorf. Keine Zeit verlieren, etwas zu schnell fahren und ich kam gerade im Zakk an, als die Vorband Matt Gresham die letzten Lieder spielte. Der 28 jährige Musiker aus Australien spielt akustische Gitarre und ist derzeit mit zwei weiteren Musikern auf Tour. Auch wenn mich das elektronische Schlagzeug schon massiv störte, hat mir seine Musik gut gefallen. Folkige Balladen mit anscheinend guten politischen Texten. Aber nach zwei Liedern war sein Set schon vorbei und ich konnte mich auf Jupiter Jones freuen.

Jupiter Jones haben sich bereits 2002 gegründet und sind sicher eine der bekannteren deutschen Punkbands, die jetzt in Rockgewässern umherschippern und deutsch singen. Sie konnten mit ein paar ihrer Lieder schon Chart Platzierungen verbuchen. Also schon fast eine Berühmtheit. Sie gewannen beim Bundesvision Song Contest sogar Platz 2. Ui. Ja wenn man meinem Blog liest, fragt man sich, was sucht der Typ bei etablierten Bands? Aber ich höre halt mehr Musik als nur Underground.

Die Gruppe gab einige Stücke ihrer neuen Platte Brüllende Fahnen zum Besten und spielte auch ein paar ihrer alten Lieder. Der Abend war sehr angenehm, die Musik ausgewogen und Jupiter Jones spielten sogar ihre Balladen. Auch das Publikum war sehr positiv, daß die Band sogar zwischendurch mitten im Publikum spielte. Nett und sympathisch sagt man dazu. Sowohl auf der Bühne, als auch davor.

Besonders gut hat mir das Statement von Sänger Sven zu dem Song Intrigen, Intrigen mit dem Text von Hilde Knef gefallen, seine Stimme möglichst laut gegen rechten Populismus zu erheben. Wobei ich dazu eigentlich noch hinzufügen würde, auch mal die Faust herauszuholen oder eine Barrikade zu bauen. Hausbesuche wären auch mal wieder angebracht, wie das in Leipzig neulich passiert ist, als Antifaschisten die Bude eines bekannten Neonazis verwüsteten. Ziviler Ungehorsam ist ja Bürgerpflicht in Zeiten wie diesen. Die Bilder, die ich u.a. in dem Flüchtlingscamp Idomeni gesehen habe, werde ich nicht los und ich staune immer wieder über den grenzenlosen Stumpfsinn von dem Tier Mensch.
„Ich hör‘ Wölfe und Hyänen in Maßanzug und Designerkleid – Die Feindbilder suchen, finden, stutzen und markieren – Und ihr gestriges Gefasel immer nur neu formulieren.“ Ach die Hilde …

Setlist Jupiter Jones
Hey! Menetekel
Ein Bisschen Paranoia
Rennen und Stolpern
Treppenwitz
Dann greif ich an
Wir sind ja schließlich nicht Metallica
Herzen schlagen Sich
Still
Faustschlag
Intrigen, Intrigen
Sicher
Zuckerwasser
_______
Immerfürimmer
Auf das Leben

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Erik, nicht Leonard

Konzert vom 18. November 2016 im Zakk Club in Düsseldorf.
Erik Cohen

Das Konzert von Smoke Blow in Köln hatte ich verpasst, weil es schon seit Monaten ausverkauft war. Dann sollte ich mir wenigstens Erik Cohen gönnen, der mit seiner neuen Platte Weisses Rauschen auf Tour war. Die Scheibe konnte sich sogar bis auf Platz 74 der deutschen Charts hervorarbeiten, also war es schon Pflicht, das Soloprojekt von Daniel Geiger einmal live zu sehen.

Zudem fand das Konzert im Zakk Club statt und da ich das Zakk sehr liebe, bin ich hingefahren, habe vorher mit Daniel geschrieben, ob ich fotografieren könnte und netterweise hat er es mir erlaubt. Auch wenn das Licht im Zakk Club gegenüber der Halle im Zakk eher bescheiden ist, habe ich versucht, das Beste mit meiner Kamera aus dem Abend heraus zu holen.

Daniel (aka Erik Cohen) gründete 1997 die Band Smoke Blow. Seit 2010 will die Band keine Studioalben mehr veröffentlichen und gibt nur vereinzelte Konterte. 2011 begann Daniel sein Soloprojekt Erik Cohen und brachte bislang zwei Studioalben heraus.

Von den beiden Platten spielte Erik Cohen eine bunte Mischung und natürlich auch die Hits „Chrom“ und „Hier ist nicht Hollywood“. Das Publikum war zwar wegen des kleinen Clubs im Zakk noch überschaubar, aber der kleine Laden war voll. Es wurde getanzt und neben mir waren zwei Typen, die sehr betrunken waren. Sie mussten natürlich herum pogen, was einmal zum Sound von Erik nicht wirklich passte und vor allem knallte einer von ihnen ständig auf den Boden, weil er vom Alkohol nicht mehr stehen konnte. Einmal saß er vor mir auf der Treppe, die zur Bühne hinaufging und bumm, bumm, bumm glitt er Stufe für Stufe auf den Boden herunter, bis er da unten lag wie ein dicker Käfer auf dem Rücken. Da musste ich ja schon etwas lachen.

Nach dem regulären Konzert gingen Erik Cohen irgendwie die Lieder aus und sie wiederholten einfach noch drei Songs aus dem regulären Set, bis dann gegen 22:15 Uhr ein tolles Konzert zu Ende ging. Ich habe mir natürlich direkt am Merch-Stand die neue Platte im blauen Vinyl geholt, von der nur 100 Stück gepresst wurden. Später sah ich auf Discogs, daß diese Scheibe schon für 160 Euro gehandelt wird und ich habe gerade einmal 1/10 davon bezahlt. Verrückt diese Plattensammler.

Das Mono Syndrom

Konzert vom 30. Oktober 2016 im Gebäude 9 in Köln.
Alcest, Mono, Syndrome

Nach meiner Reise durch Laos, über die ich hier vielleicht einmal berichten werde, hat mich nun der Alltag leider wieder und die wenigen Momente, in denen ich mich in ferne Welten begeben und auf virtuelle Reisen gehen kann, sind zum Beispiel Konzerte. Für ein paar Stunden entführen mich die Musiker mit Klang, Licht und Vibrationen in kleine Phantasielandschaften. Notwendig in dieser entmenschlichten Zeit.

Heute war es eine besondere Reise, denn ich konnte endlich wieder Mono aus Japan bewundern, die ich zum letzten Mal 2011 im Druckluft in Oberhausen gesehen hatte. Es wurde also wieder Zeit. Eine weitere Premiere war meine neue Kamera, die ich heute zum ersten Mal auf einem Konzert ausprobieren wollte und generell noch nie getestet hatte. Ein kleines Risiko, denn das Management von Mono wollte die fertigen Bilder gerne verwenden.
Vielleicht durch die Luftfeuchtigkeit in Laos oder technische Defekte ist meine alte Kamera gegen Ende meiner Reise kaputt gegangen und die direkt nachbestellte baugleiche Kamera hatte ebenfalls Defekte. Daher habe ich das Less Than Jake Konzert vom 13. Oktober nicht gepostet, weil die Bilder einfach nur miserabel waren. Also wieder eine neue Kamera samt Objektiv gekauft udn nun bin ich stolzer Besitzer einer neuen Spiegelreflex eines anderen Herstellers. Und heute war Premiere im Gebäude 9 bei Mono.

Ich traf zwar noch recht früh gegen 19:45 Uhr ein, hatte nur so weit weg geparkt, dass ich etwas laufen musste. Das Konzert war restlos ausverkauft und die Halle voll. Oje, ich musste mich durch den ganzen Wust an Menschen durchkämpfen, um einen halbwegs guten Platz vor der Bühne zu ergattern. Ich stand leider nur in der zweiten Reihe und der Fotograf vor mir war nicht bereit, auch nur ein wenig nach links zu rutschen, damit wir beide einen tollen Platz zum fotografieren hätten. Während des Konzertes machte er diese Lücke sogar zu und behinderte mich irgendwie sogar bei meinen Aufnahmen, indem er sich gegen mich stemmte. Es sind denke ich dennoch ein paar gute Bilder bei herumgekommen und ich bin sogar schwer begeistert von meinem neuen technischen Begleiter.

Ich kam gerade rechtzeitg, denn das Konzert begann pünktlich und Mathieu Vandekerckhove setzte sich alleine auf seinen Stuhl. Er ist besser bekannt unter seinem Solo-Projekt Syndrome und spielt auch bei Bands wie Amenra, Kingdom Deah und Sembler. Die Bühne war in ein kaltes, blaues Licht getaucht und im Hintergrund lief ein schwarz-weiss Film mit Sequenzen von Meer, Frauen in den Dünen liegend und Wasserspielen ab. Das Ganze brachte mit dem trägen, aber stimmungsvollen und grummelnden Sound ein recht schweres Ambiente mit und oft vergass man, dass dort nur Mathieu saß, der all diese überlagerten Klänge produzierte.

Irgendwann während seiner Show quatschte mich die Frau neben mir an, ich möchte meine Kameratasche doch auf dem Bauch tragen. Ich drehte sie auf den Rücken und stellte später fest, daß sie fast die ganze Zeit während des Konzertes von Mono und Mathieu nur auf ihr Handy glotzte und den Musikern auf der Bühne kaum Beachtung schenkte, bis dann am Ende ihre Lieblingsband kam, wegen der sie nur gekommmen war und die sie stolz auf ihrem Shirt herumtrug.

Nachdem Mathieu nach einer geschätzten halben Stunde sein Set beendet hatte, wurde kurz umgebaut und mein Hauptgrund dieses Abends betrat die Bühne. Mono. Aus Japan. Vier Personen, die bereits seit 1999 Musik machen. Erst im Oktober veröffentlichten sie ihre neue Platte Requiem For Hell bei einem meiner Lieblings-Label Pelagial Records, dessen Titeltrack sie sogar zum Abschluss spielten. Inspiriert wurde die Platte von Dantes Göttlicher Komödie.

Monos instrumentaler Klangteppich geht bisweilen durch Mark und Bein, wenn sie aus klangvollen Teppichen in druckvolle Wellen ausbrechen. Auch wenn sie eine der wenigen Bands sind, die bei Konzerten sitzen, verzeihe ich ihnen dies, denn sie verbreiten bisweilen eine ungeheure Energie, die sich im nächsten Moment in ganz ruhige Gewässer mit einer atemberaubenden Berglandschaft verwandelt. Rein musikalisch natürlich. Das sind diese Momente, in denen ich aus meinem Alltag entfliehe und von der Musik gefangen bin und mich nur auf die Klänge und mögliche fotografische Schnappschüsse konzentrieren kann.

Wieso der Veranstalter diese Reihenfolge an Bands gewählt hat, ist mir schleierhaft. Ich hätte gerne Mono als Hauptakt gesehen, denn was zum Schluss kam, haute mich nicht mehr aus den Socken. Alcest stammen aus Avignon in Frankreich und sind eigentlich das Soloprojekt des Gitarristen und Sängers Neige. Alcest wurde 2000 gegründet und sie haben bislang fünf Studioalben heraus gebracht. Sie fingen damals als Black Metal Band an und gelten heute als Vorreiter des Blackgaze, einem hypnotischen Genre des Post-Metal.
Die Jungs kamen mir leider etwas zu selbstverliebt rüber und die Musik war mir persönlich zu eintönig. Auch wenn beide Gitarristen sangen, dachte ich zuerst sie fabrizieren nur Sounds mit ihren Stimmen, aber irgendwann kamen die Stimmen durch die Boxen und ich erkannte, daß sie sogar sangen.

Ehrlich gesagt möchte ich keine Band verreissen, aber Alcest langweilten mich zum Teil, denn es fehlte mir der Drive und der Knall. Das gewisse Etwas und diese selbstverliebten Blicke ins Publikum empfand ich als eher störend und irritierend. Es gab zum Glück keine Zugabe.

Gegen knapp 0 Uhr war das Spektakel zu Ende und ich besorgte mir an dem Merch-Stand von Mono noch eine ihrer alten Platten, die mir noch in meiner Sammlung fehlte: One Step More And You Die und die New York Soundtracks in einer Deluxe-Vinyl Version. Mit der For My Parents Platte von Mono in voller Lautstärke ging es dann über die A3 wieder nach Hause.

Setlist Mono:
Ashes In The Snow
Death In Rebirth
Dream Odyssey
Pure As Snow
Recoil, Ignite
Requiem For Hell

Setlist Alcest:
Onyx
Kodama
Je Suis D’ailleurs
Écailles De Lune
Autre Temps
Oiseaux de Proie
Eclosion
Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles
Délivrance