Brennendes Karma

Konzert vom 27. April 2016 im MTC, Köln
Karma To Burn & Sons Of Morpheus

Eine weitere Stadt, die ich für ihre wunderbaren Parkmöglichkeiten und eine unglaublich clevere straßenbauliche Koordination (Achtung: Ironie!!) liebe, ist Köln.
Vor allem, wenn Clubs wie der MTC mitten in der Stadt liegen und eine aufwendige Parkplatzsuche quasi vorprogrammiert ist. An diesem Abend hatte ich dann durch Zufall ein wenig vom MTC entfernt eine freie Stelle an einem Neubau gefunden und sogar versucht, mir einen Parkschein zu kaufen, was mir nicht gelang und der Automat meine mühselig eingeworfenen Münzen wieder ausspuckte. In meiner Paranoia malte ich mir schon Ausreden und Formulierungen für Briefe aus, die ich der Stadt Köln schicken wollte, falls ich bei meiner Rückkehr ein Knöllchen an meinem Wagen finden sollte.

Doch zuvor hatte ich noch zwei dicke Staus zu bewältigen und kam erst gegen 20 Uhr an und war schon besorgt, daß die Bands ohne mich angefangen hatten zu spielen. All diese Faktoren ließen den Abend sehr unentspannt beginnen. Doch zu meinem Glück war das MTC fast leer, als ich in dem Kellerclub ankam. Gerade wurde sogar passend zu meinem heutigen Kapuzenpulli die Pelagial Platte von The Ocean gespielt. Ich kaufte mir ein Bier und wartete auf die Musiker und das Publikum, die hoffentlich noch kommen sollten. Es konnte ja nicht sein, daß eine so große Band wie Karma To Burn nur ein kleines Publikum anzog.

Irgendwann traten die ersten Musiker auf die Bühne und ich ging nach vorne. Als Vorband spielten Sons Of Morpheus, eine Band aus der Schweiz. Sie haben sich 2014 zusammen gefunden und im letzten Jahr ihr erstes, selbst betiteltes Debutalbum heraus gebracht.

Bei ihrem Sound fühlte ich mich in eine Zeit zurück versetzt, die ich selbst nicht einmal mit erlebt hatte. Sie spielen laut ihrer Facebook Seite einen psychodelischen Bluesrock. Die Gitarre von Sänger Manuel scheint vermutlich auch aus dieser Zeit zu stammen.

Ihre Lieder waren sehr experimentell und abwechslungsreich und sie schienen auch der spontanen Improvisation nicht abgeneigt zu sein. Eine sehr spannende Geschichte erzählten sie live und ehe ich mich in ihre Welt eingelebt hatte, war ihre Show auch leider schon vorbei.

Sons Of Morpheus live im MTC, Köln am 27. April 2016.

Sons Of Morpheus live im MTC, Köln am 27. April 2016.

Als die drei Schweizer Jungs mit ihrem Set fertig waren, bauten auch schon die nächsten drei Herren aus West Virginia in den Staaten ihre Instrumente auf. Karma To Burn legten 1997 ihr erstes Album noch auf Drängen ihr Plattenfirma Roadrunner Records mit Sänger vor und spielen seitdem rein instrumental.

Erst im Februar veröffentlichten sie ihre neue EP mit dem bezeichnenden Titel Mountain Czar, was soviel wie der Herrscher der berge bedeutet. Die Musiker geben ihren Songs keine Titel, sondern nummerieren sie in einem fort durch. Bei der neuen Platte sind sie nun bei 60 angekommen und sie spielten gleich zwei Stücke von ihr – 61 und 62. Ihre Verstärker waren so dermaßen laut, daß ich trotz meiner Ohrstöpsel ein leichtes Ohrensausen bekam. Als reine Insatrumentalband gab es natürlich keinen Gesang und auch die Ansagen von Gitarrist William waren sehr spärlich.

Irgendwann gingen mir (und auch einigen anderen Zuschauer_innen) ein paar Jungs auf den Wecker, die eine unglaubliche Unruhe in das Publikum brachten und anfingen zu pogen. Sie beschimpften den Gitarristen William als Shithead und machten sich über die Namensgebung der Lieder lustig. Das war nicht nur nervig sondern auch vollkommen unangebracht. Es zerstörte die Stimmung der erdigen und schweren Songs der Band, denn vor allem gegen Ende des Konzerte kamen die Stücke, die ich von ihnen so liebte.

Sie gaben keine Zugaben und die Band verabschiedete sich freundlich von dem Publikum, auch von den Kindern, die sie vorher als Shithead beschimpft hatten. Ich eilte schnell aus dem Club, denn ich hatte Sorge um meinen Wagen, die natürlich vollkommen unbegründet war. Er stand noch unberührt an seinem alten Platz und es klebte auch kein Strafzettel an der Windschutzscheibe.
Auf dem Rückweg überraschte mich das wechselhafte Aprilwetter und es regnete so stark, daß ich dank meiner uralten Scheibenwischer die Straße kaum noch sah.

Karma To Burn live im MTC, Köln am 27. April 2016.

Karma To Burn live im MTC, Köln am 27. April 2016.

Setlist Karma To Burn:
8
36
19
34
55
1
61
15
28
62
32
57
20

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Hund frisst Hund

Konzert vom 21. April 2016 im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf
Dog Eat Dog und Reno Vega

Konzerte in der Düsseldorfer Altstadt sind mir immer ein Graus, weil es dort keine Parkmöglichkeiten für mein kleines Automobil gibt oder nur in einem teuren Parkhaus. Klar ich hätte auch mit der Bahn fahren können, aber wenn ich am nächsten Morgen wieder früh aufstehen muss, finde ich die Anfahrt mit dem Auto komfortabler. Dafür musste ich an dem Abend aber mit immensen Parkgebühren rechnen.

Es ist sehr lange her, dass ich Dog Eat Dog einmal live gesehen habe, daß ich mich garnicht mehr erinnern kann, wann und wo das war. Es muss auf jeden Fall irgendwann in den 90’ern gewesen sein, als ich noch kein Auto hatte und mir um Parkplatzprobleme keine Sorgen machen musste. Da sah die Umgebung um den Ratinger Hof auch noch ganz anders aus. Der Laden hat eine sehr grosse Bedeutung für die deutsche Untergrund Kultur und die Vorgängerband der Toten Hosen – ZK – hatte dort ihren Proberaum und spielten im Ratinger Hof ihr erstes Konzert. Nach vielen Jahren, in denen im Hof eine Techno Disco hauste, sind dort nun wieder unter dem Namen Stone verzerrte Gitarren zu hören.

Als erste Band standen pünktlich Reno Vega auf der Bühne. Drei Jungs aus dem kleinen, knapp 3.500 Seelen großen Ort Kahlgrund/Schöllkrippen in der Nähe von Aschaffenburg. Die Band gibt es seit 2011 und sie präsentierten einen reinen Stonerrock, der vom ersten Moment an um die Ohren blies. Bluesig, roh und voller Leben. Das Internet gibt nicht viel her, außer daß sie bald ihre erste Platte Welcome To Skullcracking veröffentlichen werden. Wir können also auf laute, tiefe Gitarrenmusik mit viel Herz gespannt sein von der kleinsten, größten Band der Welt, wie sie sich selbst bezeichnen.

Reno Vega live im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf am 21. April 2016.

Reno Vega live im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf am 21. April 2016.

Nach einer kurzen Umbaupause kam dann der Hauptakt des Abends mitten durch das Publikum auf die kleine Bühne gelaufen: Dog Eat Dog, eine von der Ostküste der USA stammende Band, die 1989 aus dem Umfeld von Mucky Pup entstanden ist. Ihre größten Hits und Erfolge feierte die Band sicher mit ihrer Mischung aus Hip-Hop, Hardcore, Crossover und Punk in der Mitte der 90’er Jahre. In dieser Zeit bin auch ich auf sie aufmerksam geworden und habe sie da sicher irgendwann auch mal live gesehen und sie und ihre kommenden Platten dann aus den Augen verloren. Alleine schon der nostalgischen Erinnerung wegen wollte ich also nach Düsseldorf.

Aber die Jungs sind heute noch auf den Bühnen der Welt unterwegs und haben gerade ihr 26 jähriges Jubiläum gefeiert. Anlass für die jetzige Tour 2016 war das 20 jährige Jubiläum ihrer zweiten Platte Play Games von 1996.

Bereits im letzten Jahr hatten sie schon im Stone gespielt und der Laden war heute restlos ausverkauft. Sie präsentierten eine bunte Mischung ihrer Platten und huldigten sogar Prince mit einem Lied, der an dem Tag des Konzertes tragischerweise verstarb. Schon direkt zu Anfang des Konzertes machte Sänger John ihre Abneigung gegen Raucher klar und hatte sogar eine Wasserpistole zum Beschießen von qualmenden Zigaretten dabei. Manchmal frage ich mich, ob es angenehmer ist, auf Konzerten den dumpfen Schweiß mancher Zuschauer_innen zu riechen oder den beißenden Qualm einer Zigarette?

Sie gaben auch bekannt, daß sie nach 10 Jahren Pause wieder an einem neuen Album arbeiten würden und spielten davon den Song Lumpy Dog. Wir dürfen also gespannt sein auf das was da kommen wird.

Dog Eat Dog live im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf am 21. April 2016.

Dog Eat Dog live im Stone im Ratinger Hof, Düsseldorf am 21. April 2016.

Pünktlich zur Nachtruhe war die Show vorbei. Aus Rücksicht auf die Anwohner. Wir waren alle durchgeschwitzt durch den kleinen Raum und den heissen Scheinwerfern und trotteten langsam zum Ausgang zurück. Im Stone ist es etwas unglücklich gelöst worden, daß die Getränke nicht sofort an der Bar bezahlt werden können, sondern mit einem Kartensystem am Ausgang. Dadurch gab es einen immensen Stau beim Hinausgehen, was nicht nur nervig war, sondern auch vollkommen unnötig.

Mit abschließenden 7,50 Euro weniger in meinem Portemonnaie für das Parkhaus, bin ich dann wieder nach Hause gefahren, um am nächsten Morgen wieder um 7 Uhr aufzustehen.

Setlist Dog Eat Dog:
Games
Pull My Finger
Isms
Who’s The King?
Walk With Me
Lumpy Dog
World Keeps Spinnin‘
Vibes Kartel [?]
Rocky
Step Right In
Expect The Unexpected
No Fronts
If These Are Good Times

Einmal die Woche duschen

Wenn dich die Schere
aus dem Leben
und der Gesellschaft schneiden sollte
weil du alt,
gebrochen,
verwirrt oder
gegen das Gesetz verstoßen hast,
wirst du den Weg zurück
kaum finden.
Du stehst alleine
in diesem Feld
mit wogendem Hanf,
daß dich weder benebelt,
noch befreit
von den Tränen,
die dir heiss
hinter den Augäpfeln brennen,
wie Feuer, die deine Wut
nicht ausdrücken können,
wenn wir alles,
was wir nicht verstehen
oder keine zeit aufbringen wollen,
es zu verstehen,
weil uns die Vernunft,
die Geduld,
das Vertrauen oder
der Respekt fehlen.
Wo werden wir enden?
Alleine in einer Zelle
mit Gittern vor den Türen
und Fenstern?
Oder einsam verwahrlosen
und nur einmal die Woche duschen
und vor sich hin vegetieren,
weil Regierung,
Kirche
und Gesellschaft
es nicht schaffen,
allen Menschen einen ehrwürdigen Platz
zu bieten
und ihnen wohlwollende Chance
zu geben.

Feuer gefangen

Konzert vom 04. Aril 2016 im Zakk, Düsseldorf
Matze Rossi und Yellowknife

Seniore Matze Rossi und Yellowknife waren genau das Richtige für diesen Abend. Ich glaube ein hektisches Hardcore Konzert hätte ich wohl nicht lebend überstanden. Aber bei Matze konnte ich mir sicher sein, es wird eher beschaulich ohne Pogo und ohne fliegenden Stiefel von Stagedivern zugehen, die mir fast im Gesicht landen.

Ich musste bis 20 Uhr arbeiten und Einlass war bereits um 19:30 Uhr. Ich hetzte also schnell nach Hause, gab meinen beiden Meerschweinchen Tom und Jerry noch etwas Grünfutter und aß selbst nichts, sondern schwang mich in mein Auto und donnerte manchmal etwas zu schnell in Richtung Düsseldorf. Auf dem Weg schlang ich mir noch zwei vegetarische Burger rein, die ich am Tag zuvor angebraten hatte und für meinen Single Haushalt viel zu viele waren. Also hatte ich für die nächsten Tage noch etwas zu essen und die handlichen Dinger waren für einen Tag wie heute ideal. Ich warte noch auf die Dame, die mir endlich meine Reste wegfuttern wird.

Mein Mitbewohner Jerry.

Mein Mitbewohner Jerry.

Den Weg zum Zakk finde ich fast im Schlaf und ich liebe diesen Laden, denn dort finden tolle Konzerte statt, es ist alternativ und ich habe vor allem gutes Licht zum Fotos machen. Nun, daß Matze nicht in der grossen Halle spielen würde, sollte mir eigentlich klar sein und ich musste den Ort des Konzert erst einmal suchen.
Er fand in der Bar, bzw. Kneipe statt und ich erschien ungefähr um 20:45 Uhr als Tobias Mösch alias Yellowknife schon spielte. Ich habe also nicht wirklich etwas von ihm mitbekommen und mir nachher seine Platte gekauft, um mich mit seiner Musik etwas genauer zu beschäftigen.

Sein Projekt begann 2013, als sich Tobias mit ein paar Anderen zusammentat, um gemeinsam Musik zu machen. Oder um seine musikalischen Ideen umzusetzen? Ich weiss es nicht. Sein Internetauftritt sagt: „[Yellowknife ist] ein Ort in der Weite Kanadas. Am Ufer des Großen Sklavensees. Nach dem Goldrausch.
Ein Platzhalter für die Gelegenheit, das zu tun, für das all die Jahre kein Platz war. Eine neue Möglichkeit, sich auf den Weg zu machen. Aus der Enge des Alltags, der Arbeit und all dem, was an einem zerrt. Es heißt neu orientieren, weil Kinderschuhe nicht mehr passen.“

Yellowknife spielt live im Zakk , Düsseldorf am 04. April 2016.

Yellowknife spielt live im Zakk , Düsseldorf am 04. April 2016.

Nun, diese illustre Beschreibung zeigte sich in der Musik und der bärtige Mann auf der Bühne präsentierte poppige Folksongs in englischer Sprache. Ich habe leider wirklich nur ein paar Lieder gehört, um auch nur ein annähernd respektives Bild dieses Musikers zu malen. Die Platte bietet da nicht viel mehr, denn sie ist mit Band aufgenommen und nicht sehr repräsentativ zu der Ein-Mann-Show. Ich denke, ich muss sie noch einmal live sehen, um etwas besseres schreiben zu können. Möge er mir verzeihen. Die Platte Wooden Future gefiel mir jedoch ganz gut, sie ist sehr ruhig und wenn sie mir eine Zukunft in natürlichem Holz ausmalen will, dann freue ich mich auf diese Zukunft.

Irgendwann fing dann im nahtlosen Anschluss Seniore Matze Rossi an. Ich kenne ihn noch von seinen Tagtraum Tagen und ich hatte die Band mal bei dem neulich schon erwähnten Vitaminepillen Konzert in Krefeld gesehen. Das war 15 Jahre her und zu der Zeit hätte ich beinahe auch deren neues Cover gezeichnet. Wenn sie sich 2006 dann nicht aufgelöst hätten. Mit der Auflösung begann ihr Gitarrist Matthias Nürnberger, alias Seniore Matze Rossi eine Solo-Karriere und trat fortan alleine mit seiner akustischen Gitarre auf. Das Projekt entstand jedoch schon früher aus Liedern, die er komponierte und die bei Tagtraum keinen Platz fanden. Daneben spielt er noch in diversen anderen Bands, die ich vielleicht später einmal besuchen werde.

Jetzt hatte Matze seine neue Platte Ich fange Feuer letzten Monat bei dem Label End Hits Records veröffentlicht und war mit ihr auf großer Tour. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Es ist immer eine wahre Freude, Matze live zu sehen, er erzählt viele Geschichten zwischen den Songs, wie ihm zum Beispiel während eines Konzertes ins Auge gespuckt wurde. Ich setze mich später zum fotografieren quasi vor seine Füsse an den Rand der Bühne und natürlich musste er dann irgendwann in meine Richtung spucken beim Singen. Jetzt bin ich vom heiligen Seniore Rossi gesegnet.

Matze Rossi spielt live im Zakk , Düsseldorf am 04. April 2016.

Matze Rossi spielt live im Zakk , Düsseldorf am 04. April 2016.

Man merkt ihm an, daß er selbst eine Riesenfreude beim Spielen hat. Bei dem Lied Best Friends lief ihm glaube ich eine zumindest innere Träne über die Wange. Das Lied hat er für den Sänger Wauz von der Band Red Tape Parade geschrieben, der 2013 sehr plötzlich verstarb und weltweit ein tiefes Loch gerissen hat. Leider hat Wauz Matzes Lied nie hören können und man merkt ihm die Trauer noch heute an und es ist schön, daß auf diese Weise einem so großartigen Sänger und Freund gedacht wird.

Die Endlichkeit spiegelt sich in vielen von Matzes Liedern wieder und sie regen zum Nachdenken an und wenn er sagt, daß er viele Mails und Nachrichten bekommt von Fans, die ihm sagen, wie sehr seine Lieder ihnen aus der Seele gesprochen habe, dann glaube ich es ihm.

Während eines Liedes musste auch ich auf die Bühne, weil er vergessen hatte, sein Gitarrenkabel umzustecken und ich hatte ihn zuerst garnicht richtig verstanden, was er von mir wollte, denn ich habe manchmal meine Ohren auf Durchzug oder bin abwesend in meinen Gedanken. Aber anscheinend hatte alles zu seiner Zufriedenheit hingehauen und ich sollte mir jetzt vielleicht ernsthaft überlegen, als Roadie zu arbeiten. Also bei Matze sicher ein lockerer Job, denn zwei aktustische Gitarren bekomme ich gerade noch getragen.

Seine Setlist stellte er immer spontan zusammen und auch heute war es ein bunter Abend aus alten Liedern (jaa, sogar Balsam von Tagtraum war dabei), ein Coverstück in englisch von jemanden, den ich vergessen habe und einigen Liedern der neuen Platte. Wie das so klingt, könnt ihr in dem anhängenden Video sehen. Wieso Matzes T-Shirt darin so leuchtet, ist mir nicht ersichtlich. Vielleicht strahlte er die Wärme über das T-Shirt aus, die er mit seinen Liedern herüber brachte.

Bierschinken vegetarisch

Konzert vom 31. März 2016 im FZW in Dortmund
Betrunken im Klappstuhl, Monoment, The Roughneck Riot, F*cking Angry, Isotopes Punk Rock Baseball Club, Der dumme August, Notgemeinschaft Peter Pan, Harry Gump, Paranoya & Black Paintings

Bierschinken eats FZW Nummer 11. Das klingt jetzt nicht gerade einladend für einen Vegetarier und es graut einem im Vorfeld schon davor, was dort an eventuellen kulinarischen Grausamkeiten (wie Bierschinken) entgegenlachen wird.
Wir erfuhren später von den Bands, daß dort wohl das beste Buffet für die Bands im Backstageraum aufgebaut worden war.

Nun denn, 5 Euro Vorverkauf und 7,50 Euro Abendkasse reissen keine gähnenden schwarzen Löcher in die Haushaltskasse und es wurden an einem Abend für den Preis ganze zehn (!!!) Bands dargeboten, das sind also 2 Euro pro Akt. Manch andere Helden verlangen da schon das fünfzehnfache für ein einziges Konzert.

Der Veranstalter Bierschinken ist ein Online Fanzine, dass seit 16 Jahren über Punk, Musik, Konzerte und Platten berichtet. Zum 11. Mal nun feierten sie sich selbst mit diversen Bands, Spaß und viel Punk.

Ich kenne das FZW noch, als es im Neuen Graben beheimatet war und ich erinnere mich noch gut an das etwas abgelegene, sympatische kleine Rumpelhaus. Den Neubau in der Nähe der Innenstadt Dortmunds hatte ich bislang noch nie besucht, obwohl er bereits seit ein paar Jahren dort steht. Nun, das FZW gehört der Stadt und natürlich wachten bullige Türsteher vor dem Eingang die einen angrapschen mussten, in die Taschen schauen wollten und dabei um 18 Uhr abends und geringem Publikumsverkehr noch recht freundlich waren. Es war trotzdem nervig und törnte erst einmal ab.

Die Hallen und das ganze Gebäude scheinen einzig und alleine für Konzerte und Veranstaltungen oder Parties gebaut zu sein, zumindest lassen der Betonboden, drei verschieden grosse Hallen mit Bühnen und die clevere Ausrichtung der Toiletten darauf schliessen. Ich lief also mit meiner Begleitung Merle erst einmal ein Bier kaufen und kurz darauf ging es eigentlich auch schon los. Die erste Band spielte gleich neben der Theke, wo wir gerade standen. Dort war eine kleine Bühne aufgebaut, gleich neben der Tür, wo ständig die Leute hinaus rannten, um zu rauchen.

Die Black Paintings aus Köln klangen irgendwie nach Samiam und ihr Bandinfo sagt, sie spielen Emopunk. Da hatte sich mein Gehör nicht getäuscht und die fünf Musiker gibt es seit 2014. Der Sänger war sehr spannend, denn er schraubte den Mikroständer so weit nach unten, daß er sich so breitbeinig davor aufbauen musste, um überhaupt in das Mikrofon singen zu können. Das sah nicht nur cool aus, ich fragte mich auch, ob er nicht nach jeder Show wahnsinnigen Muskelkater in den Beinen bekommt. Ich fragte mich nachher auch, wieso ich kein Foto von ihnen gemacht habe.

Die Spielzeit war mit knapp 30 Minuten extrem kurz und ehe man sich versah, war ihre Show vorbei. Es spielten ja auch noch neun weitere Bands an diesem Abend.
Zu unserer Verwirrung verließ das gesamte Publikum nun die grosse Bar und ging hinaus. Also fast das ganze Publikum, ein Teil blieb noch an der Bar zurück oder war anscheinend so verdutzt wie wir über das Verschwinden, bis wir dann mitbekamen, daß die nächste Band in einer anderen Halle spielte.
Wir dackelten also brav dem Pulk hinterher und die nächste Gruppe – Paranoya hatte schon angefangen.

Paranoya spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Paranoya spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Vier Punker aus dem Ruhrgebiet, die es erstaunlicherweise schon seit 1994 gibt und ich bislang noch nichts von ihnen mitbekommen habe. Früher sahen sie ein bisschen punkiger aus mit Irokesen und vielen Ketten, aber heute ist man älter und gesetzter und trägt Mütze und blondierte Rastazöpfe. Sie spielten Punkrock mit kritischen Texten und sind ganz klar antifaschistisch. In der Vergangenheit haben sie einige gute Projekte unterstützt. Nach 30 Minuten war dann aber wieder Schluss.

Die Turmuhr schlug gerade einmal 19:30 Uhr und wir hatten schon zwei Bands konsumiert. Die ganze Meute ging nun wieder die Stufen aus der Halle hoch in die Bar, wo bereits ein Sologitarrist spielte. Harry Gump, dem man seine Münchener Herkunft klar im Akzent anhörte, spielte Folk, auch wenn er sich nicht gerne ausschließlich mit dem Metier identifiziert werden möchte. Er ist ein Poet mit der Gitarre.

Harry Gump spielt am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Harry Gump spielt am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Ich muss sagen, ich mag Liedermacher ziemlich gerne und dass nicht nur seitdem Frankie Stubbs von Leatherface seine glorreiche Akustikplatte heraus gebracht hat. Die Musik ist eher zum Zuhören und irgendwie poetischer, denn der Text steht im Vordergrund. Harry Gump nahm uns mit in seine kleine Welt voller Politik, persönlichen Gedanken und Phantasie.

Punkt 20 Uhr war er dann auch schon wieder fertig und Merle und ich düsten wieder von der Bar, durch den Vorraum, die Treppen hinunter in die kleine Halle. Notgemeinschaft Peter Pan stand schon wieder auf der Bühne und das Programm ließ einem nicht eine einzige Minute zum verschnaufen.

Notgemeinschaft Peter Pan spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Notgemeinschaft Peter Pan spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

Die drei Jungens aus Hamburg spielten einen schnellen, witzigen aber mit guten politischen Hintergründen bespickten Punk, die es bereits seit 2009 gibt. Man merkte der Band ihre Freude an der Musik an und es machte Spaß ihnen zuzusehen. Besonders gut hatte mir gefallen, dass sie an die vier ersten vom Hitler Regime ermordeten Antifaschisten erinnerten und dazu sogar einen Banner an einem ihrer Verstärker angebracht hatten.

Die beiden nächsten Bands Der dumme August aus Köln und die Isotopes Punk Rock Baseball Club aus Vancouver sind irgendwie an uns vorbeigerauscht. Wir standen in der Zwischenwelt des Eingangs, unterhielten uns mit Mitgliedern von F*cking Angry und verquatschten die Zeit irgendwie. Eine Stunde Spielzeit gehen sehr schnell um, wenn man redet, trinkt und sich am Leben freut.

F*cking Angry spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

F*cking Angry spielen am 31. März 2016 live im FZW, Dortmund.

F*cking Angry habe ich nun zum dritten oder vierten Male live in diesem Jahr gesehen und ich erfreue mich immer wieder an dieser äußerst sympatischen Truppe aus Bonn. Ihr Set war ein wenig chaotisch, aber sie waren heute sehr gut drauf und es war witzig ihnen zuzusehen. Trotz der etwas ungünstig gelegenen Bühne mit Monitorboxen, die mitten im Raum standen sodaß die Leute darüber fielen, wurde dennoch gepogt und getanzt.

Die letzte Band des Abends, die wir bewusst mitbekommen haben, waren The Roughneck Riot aus Manchester. Eine Band, die es seit 10 Jahren gibt, in denen sie nur eine einzige Platte heraus gebracht haben.

Sie spielten Folk Punk mit Mandoline, Akkordeon, der obligatorischen Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem Banjo. Über das Banjo habe ich so dermassen gefreut, denn die Musikerin spielte Hardcore-Banjo. Sie nutzte das Banjo wie eine elektrische Gitarre und rockte ab. The Roughneck Riot waren tanzbar, punkig und machten jede Menge Spaß.

Die allerletzten Bands (Monoment und Betrunken im Klappstuhl) haben wir uns nicht mehr richtig angehört. Wir standen im Vorraum bei den Merchandise Ständen, kauften ein und lauschten der Musik aus der Ferne. Monoment war ein Elektrotrash, der uns beiden nicht wirklich gefiel und einer der beiden Musiker hatte einen mit Dornennieten bespickten weissen Helm auf. Betrunken im Klappstuhl begeisterten uns ebenfalls nicht und so beschlossen wir den berauschenden Abend in einem Kontinuum aus Musik zu beenden.

Es war spät und wir hatten noch eine größere Reise nach Hause anzutreten und fuhren also wieder in Richtung Bett.